Reisetagebuch Syrien 2008
Verfasst: Mo 22. Jun 2009, 13:30
Reisetagebuch Syrien 2008
Szeged 05.09.08 604 km
Heute ging es los mit meiner Motorradreise nach Syrien. Ein mulmiges Gefühl setzte sich in meinem Bauch fest, als ich meine Heimatstraße verlasse und in Richtung Wien fuhr. Ich musste mir noch mein syrisches Visum abholen. In der Botschaft ging alles ruckzuck und innerhalb weniger Minuten hielt ich meinen Pass in der Hand und betrachtete das eingeklebte Visum. Ich fuhr auf der Autobahn bis zur ungarischen Grenze. Danach ging es eher langsam und unter großer Anstrengung weiter. Mehr als 100 km/h waren kaum zu schaffen da ständig dieser unangenehme, böige Seitenwind wehte. Dennoch vergingen die Kilometer wie im Flug. Landschaftlich änderte sich weitgehend nichts und so kam ich bis Szeged an der ungarisch serbischen Grenze. Die Kosten einer Übernachtung am Campingplatz erschreckten mich. 10 € musste ich für ein Zelt bezahlen. Die abendlichen Nudeln in Steinpilzsauce schmeckten sehr gut, doch es war wie meistens viel mehr als ich essen konnte. Das Zelt war erstaunlich flott aufgebaut und so konnte ich noch eine angenehme heiße Dusche nehmen. Heute fuhr ich 604 km. Morgen werde ich nicht mehr die Autobahn benützen, da es leicht auch ohne geht.
Rumänien 06.09.08
Ich überschätzte mich mit den Campingplätzen. Anscheinend campen nicht sehr viele Leute in Rumänien, denn ich fand keinen einzigen. Als es schon stockfinster war, rang ich mich dann doch durch ein Hotel zu nehmen. Wild zu kampieren traute ich mich nicht, da es unendlich viele streunende Hunde gab. Tagsüber waren sie zwar feige, sobald es dunkel wurde schlossen sie sich zu Rudeln zusammen und wurden mutiger. In Pitesti fuhr ich in eine einsame Gasse um auf die Hauptstrasse zurück zu finden. Plötzlich jagten mich 4 Hunde unter Gebell und mit fletschenden Zähnen. Schnell gab ich Gas um ihnen zu entkommen. Generell fand ich Rumänien nicht sehr ansprechend, denn außer Armut schien es dort nicht viel zu geben. Auch landschaftlich verlor sich das Auge in der Ebene. And den Fingern und Füssen kamen schon die ersten Blasen, da ich zu lange fuhr und die Handschuhe nicht genau passten. Als ich an einem Hotel anhielt um nach dem Preis zu fragen viel mir das Motorrad um. Zum Glück passierte nicht mehr als einem verbogenen Koffer. 40 € waren mir aber zu viel und so fuhr ich weiter bis es mir egal war wie viel ich bezahlen musste. Hauptsache ein Bett bzw. Schlaf. Ich musste dann 30 € bezahlen, hatte dafür ein Spitzenzimmer. Das Essen war für 7 € wirklich ein Schnäppchen.
Pricelci 07.09.08
Die Nacht war leider laut und so konnte ich nur wenig schlafen. Nach den ersten km auf der DN7 nach Bukarest der erste Schock. Eine Polizeistreife winkte mich zur Seite. Ich war anscheinend mit 82 km/h in einer Ortschaft geblitzt worden. Er wollte alle Papiere und ließe mich dann warten. Nach 10 Minuten deutete er mir dass ich kommen sollte. An seinem Wagen zeigte er mir das Foto und die gemessene Geschwindigkeit. Ich versuchte ihm verständlich zu machen, dass ich keine Ortschaft bemerkt hätte und ich mich nur dem Verkehr angepasst hätte. Ich war mir zwar sicher dass er kein Wort verstand. Als ich dann aber Bußgeld bezahlen wollte, lehnte er ab und wünschte mir eine gute Reise. In Zukunft sollte ich aber aufpassen. 50 km später winkte mich schon die nächste Streife an den Straßenrand. Ich hatte das Licht ausgeschaltet. Zum Glück gab es wieder nur eine Verwarnung. Der Grenzübergang nach Bulgarien bei Ruse klappte reibungslos. Leider konnte man von der großen Brücke aus, welche über die Donau geht, kein Foto machen. Wer die Donau in Österreich kennt, würde staunen welche Ausmaße sie an dieser Grenze hat. Mir gefiel bis dahin Bulgarien am Besten, da es weniger Hunde (auch überfahrene) gab und es landschaftlich viel reizvoller war. Endlich gab es wieder mal Hügeln und ein paar Kurven. Ich fand auch wieder einen Campingplatz. Zwar war dieser in miserablem Zustand, aber wenigstens kostete er nur 5 €.
Alexandroupoli 08.09.09
Irgendwie stimmten die angezeigten Km des GPS nicht oder es war Luftlinie. Der nächstgelegen Camper sollte 240 km entfernt von Varna liegen. Blöd nur dass es 480 km zu fahren waren. Griechenland war viel schöner und sauberer als alle Länder zuvor, obwohl Bulgarien schon toll war. Leider waren auch die Kosten ähnlich wie zu Hause. Der Camper kostete 12 € und war nicht gerade außergewöhnlich. Ich war heute auch zum ersten Mal auf dieser Reise einkaufen und das bei Lidl. Die Bergsteigerwurst schmeckte super, genau wie das Schwarzbrot und das Gemüse. Der Strand war nicht so toll, dafür war das Wasser angenehm warm. Am Abend sprach ich mit einem Holländer der schon seit 8 Jahren mit seinem Campingbus durch Europa fuhr. Er war schon in Pension und liebte das unterwegs sein. Er war früher auch leidenschaftlicher Motorradfahrer. Seit er aber sein Haus aufgelassen hatte war es auch mit dem Motorrad vorbei. Vor der griechischen Grenze traf ich noch ein französisches Paar das mit den Fahrrädern nach Indien fuhr. Seit 2 ½ Monaten waren sie schon unterwegs. Die Franzosen sind doch immer wieder die irrsten!
Alexandroupoli 10.09.08
Heute Morgen bildete ich mir ein dass die hinteren Bremsklötze schon zu Ende wären. Also suchte ich einen Hondahändler auf um Ersatzbeläge zu kaufen. Nach über einer Stunde und unzähligem Fragen fand ich dann einen. Dort kaufte ich auch noch vorsichtshalber vordere Bremsbeläge und bezahlte unglaubliche 75 €. Als ich dann die hintere Bremsbacke abmontiert hatte, musste ich feststellen dass sie noch gut waren. So eine Scheiße, Geld für nichts ausgegeben. Dafür hatte ich jetzt Ersatzteile. Allzu lange werden die Beläge nicht mehr halten. Mit dem Anzugsmoment war ich aber etwas ratlos. Ich zog letztendlich einfach nach Gefühl an. Wird halten müssen! Danach ging ich noch an den Strand und entspannte ein wenig in der Sonne. Das tat wirklich gut! Auch heute schaute der ältere Holländer auf ein Plauscherl vorbei. Ich dachte mir dass er sehr einsam ist. Er schien auch schon zu lange an einem Ort zu sein.
In der Hauptstraße von Alexandroupoli war abends jede Menge los.
Istanbul 10.09.08
Die Fahrt zur türkischen Grenze verlief ohne Probleme. An der türkischen Grenze musste ich zuerst ein Visa kaufen (15€) und anschließend eine Versicherung abschließen. Die Versicherung war für 3 Monate gültig und kostete nur 10€. Bei Uniqua hätte das 80 € ausgemacht. Die Straße nach Istanbul war gut ausgebaut. Leider verfuhr ich mich dann doch noch sehr in Istanbul. Der hier herrschende Verkehr war mörderisch und Rücksicht kannte niemand. Die Stadt war sehr westlich orientiert und im Zentrum (Sultan Ahmet) sehr sauber und schön. Es gab viel zu sehen. Das Hotel war aber schweineteuer. 30 € musste ich pro Nacht bezahlen. Das ging schon sehr ins Geld. Darum werde ich nur 2 Tage bleiben. Endlich waren wieder einmal junge Leute um mich und ich hatte jemanden zum Reden.
Istanbul 11.09.08
Gestern saßen wir noch bis 4:00 morgens vorm Haus und tranken ein paar Bier. Istanbul war ganz anders als erwartet. Ich war positiv überrascht. Hier würde sich ein Städtetrip schon auszahlen. Die Mischung aus moderner und orientalischer Stadt ist sehr angenehm. Der Bazar war riesig und am Abend startete das große Fressen (es war ja Ramadan). Von überall her strömten die Massen ins Zentrum. Es herrschte irgendwie Volksfeststimmung. Das Geld sitzt lockt und wird dementsprechend schnell weniger. Der türkische Honig schmeckte ganz anders als zu Hause (viel weicher) und die Kebab gab es nur mit Lammfleisch. Morgen werde ich über den Bosporus fahren und dann weiter in den Süden.
Pamukkale 12.09.08
Aus Istanbul kam ich nur langsam und unter vielen Flüchen hinaus. Das Verkehrsnetz war chaotisch. Die Landschaft war dafür außerhalb Istanbuls ein Traum. Etwas überraschend waren aber die Schilder von Skigebieten. Viele Abschnitte gingen auf Hochebenen über 1000m. Dort war es zwar ziemlich karg, aber dennoch schön. Pamukkale selbst war sehr enttäuschend. Es wurden 20 Lira verlangt nur um auf den Kalktrassen zu gehen. Die sparte ich mir und machte nur Fotos von unten. Die wurden dafür sehr schön. Auf dem Weg nach Pamukkale sah ich zum ersten Mal Nomaden (zu mindest standen viele selbstgezimmerte Zelte herum). In Pamukkale halfen mir 3 Franzosen etwas Günstiges zu essen zu bekommen. Nebenbei lernten sie mir auch Backgammon (Taula). Ich konnte es zwar nicht besonders, aber es machte viel spaß. Außerdem schien es als ob es in der Türkei jeder spielen würde.
Kemer 13.09.08
Die Landschaft kam mir heute vor wie in jenem Bericht aus dem Fernsehen über den Iran. Bis auf knapp 2000m ging es hinauf. Es war traumhaft schön. Auch das Stück an der Küste war toll. Heute sah ich zum ersten Mal Straßenarbeiten. Es wurde nur Teer aufgesprüht und mit Kies überstreut. Darum waren die Straßen größtenteils so schlecht. An einer Tankstelle wurde ich von einem Wiener Türken zu Cola eingeladen. An der Küste war es angenehm mild und windstill. Am Abend spielte ich mit einem sehr gebildeten Blumengroßhändler aus Antalya Taula. Jetzt kann ich es schon viel besser. Das Motorrad gab heute sehr schrille Töne von sich. Hoffentlich war das nur wegen dem Streifen der Kette aufgrund des schlechten Straßenbelages. Hier war es schon eigenartig zu Campen, umgeben von Pauschalklubs.
Anamur 14.09.08
Heute ging es wieder auf einer Kies-Teer-Straße weiter. Die Landschaft war teilweise echt schön, da es größtenteils an der Küste entlang ging. Ich sah heute sogar einen ausgebrannten Bus. Das gab mir doch ein wenig zu denken, aber bei der türkischen Fahrweise sollte mich das nicht wundern. Zwischen Kemer und Side standen nur Hotels. In Alanya war ich bei Burger King. Das hat prima geschmeckt. In Anamur fand ich einen Campingplatz direkt neben einer Burg. Mein Zelt schlug ich am Strand auf. Auch dieser Campingplatz war sehr heruntergekommen, besonders die Toiletten. Als ich aufs Klo ging schwamm ein Frosch in der Muschel! Hoffentlich regnet es heute Nacht nicht. Der Himmel sah verdächtig nach Regen aus. Das nervende Geräusch am Motorrad war auch noch nicht wieder weg. Ich befürchtete dass ich einen neuen Kettengleitschuh brauchen würde. Aber ich wusste nicht wo ich den herbekommen sollte. Hier sah ich noch keine einzige größere Maschine, geschweige denn einen Hondahändler. Vielleicht konnte ich aus einem alten Autoreifen etwas basteln.
Göreme 15.09.08
Ich wusste jetzt woher das Geräusch am Motorrad kam. Es war definitiv der verbrauchte Kettengleitschuh, aber auch die zu lasch gespannte Kette. Von Anamur fuhr ich nach Adana. Die Straßen waren ein Traum, vor allem weil es die meiste Zeit entlang an kurvigen Straßen am Meer ging. Eigentlich wollte ich kurz vor Adana schlafen, aber ich bekam an diesem Tag nicht genug. In Silifte fuhr ich zu einer Werkstätte. Leider konnten die dort kein Englisch. Zusammen bastelten wir aus einem alten Schlauch einen Art Kettengleitschuh. Leider war dieser zu weich und nach 50 km auch durch. Ich fuhr weiter um vielleicht in Göreme ein passendes Ersatzteil zu finden. Nach beinahe 500km Fahrt kam ich abends in Göreme (Kapadokien) an. Die Landschaft war wirklich außergewöhnlich. Es erinnerte mich stark an Familie Feuerstein und den Mond. Die in den Felsen gehauenen Häuser waren bewundernswert. Am Campingplatz traf ich dann eine außergewöhnliche Reisegruppe. Vater und Tochter (Rough Tours) waren mit 6 Touristen unterwegs nach Nepal. Der Landrover war riesig und beinahe schon ein Truck. Einen geländetauglichen Anhänger fürs Gepäck hatten sie auch mit. In nur 37 Tagen fuhren sie von Stockholm nach Kathmandu. Jeder Tourist musste 4700€ dafür bezahlen. Eigentlich gar nicht so teuer. Alle waren witklich cool und locker drauf und so saßen wir noch bis 00:30 im Freien und unterhielten uns.
Göreme 16.09.08
Am Morgen ging ich ins Zentrum um eventuell einen Kettengleitschuh zu bekommen, aber natürlich gab es den nirgends. 2 Wochen könnte ich warten…
Also schraubte ich den alten runter und modifizierte ihn soweit, dass er es zu mindest für diese Reise machen wird.
Die Nacht war sehr kalt, laut Uhr nur 12°C. Aber im Schlafsack war es angenehm warm. Heute war ich einer Höhlenwohnung. Dazu musste ich allerdings ein wenig klettern. Den ich wollte keine 10€ Eintritt bezahlen. Die spinnen doch, überall kann man auch ohne Eintritt diese Behausungen ansehen. 2 Tschechen waren auch auf dem Camper. Sie waren gerade aus dem Iran zurück und empfohlen mir auch hin zu fahren, da es unbeschreiblich schön sein sollte. Am Nachmittag regnete es ein wenig, aber nur ganz kurz. Hoffentlich hält das Wetter. Ich möchte morgen auf keinen Fall das Zelt in einer Drecksuppe zusammenpacken. Der Zeltplatz bestand nämlich nur aus Sand, sowie das Meiste hier.
Damlacik 17.09.08
Ich bin heute schon um 06:00 aufgestanden. Da war es noch bitterkalt. Beim Zusammenpacken entdeckte ich 2 Löcher in meinem Zeltboden. Mir war echt schleierhaft warum. Es sollte doch ein Qualitätszelt sein?! Vielleicht kann man das auf Garantie reparieren lassen.
Heute fuhr ich doch glatt durch ein noch schöneres Panorama als die letzten Tage. Ich war jetzt tief in der kurdischen Türkei (unter vorgehaltener Hand auch Kurdistan genannt). Mit der Freundlichkeit war es aber in manchen Gebieten nicht weit her. In irgendeinem Kuhdorf in den Bergen bin ich sogar von Kindern bespuckt worden. Ich fühlte mich nicht gerade wohl. Aber die Landschaft ist kaum zu beschreiben. Stundenlang fuhr ich auf Ebenen über 1500m mit Pässen die auf 2000m hoch gingen. Der Reifen bekam aufgrund des sehr groben Asphalts auch immer weniger Profil. Die Kette pfiff nach wie vor, aber mit regelmäßigen Schmierintervallen ging es einigermaßen.
Auch diesmal war es ein langer Ritt mit über 600 km. Wenn man so in die zerklüften Täler sah, fielen einem sofort die Bücher von Karl May ein. Teilweise schien die Zeit hier still zu stehen.
Zum ersten Mal kam ich eine schlechte Polizeikontrolle. Angeblich sind in der Türkei nur 70 km/h für Motorräder erlaubt und ich fuhr wie der restliche Verkehr knapp 90 km/h. Geblitzt wurde ich mit 84 km/h. Die Strafe war saftig und machte 87,25 YTL (ca. 50€) aus. Sämtliche Proteste halfen nichts und so war mein Budget für die Türkei bis auf ein paar Euros aufgebraucht. Nun stand ich vor der Entscheidung nach Syrien zu reisen und die kommenden Benzinpreise mit Kreditkarte zu bezahlen oder Geld zu beheben und gleich weiter an den Van See zu reisen. Ich wollte dort eigentlich nur hin, falls ich ein iranisches Visum bekommen hätte. Aber soweit mir andere Reisende erzählten hätte ich sowieso ein Carnet de Passage benötigt. Das hatte ich aber nicht. Angeblich sollten der Vansee und dessen Lage atemberaubend sein.
In Damlacik campte ich um 5YTL und so beschloss ich noch einen weiteren Tag zu bleiben um die Steinköpfe vielleicht bei Sonnenuntergang zu fotografieren. Außerdem wollte ich die bevorstehende Route nochmals überdenken. Als ich nach der Lage in Diyarbakir fragte hieß es nur: “No Problem!“ Naja hoffentlich ist dem auch so. Noch vor ein paar Jahren sollten dort Straßenschlachten an der Tagesordnung gestanden haben. Aber ein Mal in Mesopotamien gewesen zu sein hat doch seinen Reiz. Die Lage in Mardin soll auf jedenfall in Ordnung sein.
Damlacik 18.09.08
So heute beschloss ich noch ein bisschen weiter in den Osten zu fahren. Morgen werde ich erstmal nach Diyarbarkir fahren und Geld beheben. Je nach dem wie lange ich dorthin brauche, werde ich weiterfahren oder nicht. Heute Morgen fuhr ich zuerst nach Arsameia. Zum Glück hatte ich die Koffer abmontiert und im Zelt gelassen. Dort ging ich eine Höhle die bis zu 160 m tief in den Berg führen sollte. Ich war allerdings nur gut 50 m darin. Danach wurde es zu steil und rutschig. Der Ausblick war wieder einmal hervorragend. Dann ging es auf einer Kiesstraße weiter zum Berg Nemrut. Beinahe 8 km konnte ich nur im ersten Gang fahren, da es so rutschig war. Außerdem gab es seitlich keine Absperrung oder ähnliches. Das war dann schon eine ziemliche Herausforderung. Es ging auf 2100 m hinauf und war dementsprechend kühl. Am Berg war ein riesiger Steinhaufen von dem Niemand weis wie er da rauf kam. Davor standen große steinerne Figuren. Es gab auch eine kleine Pension mit einem Restaurant. Auf einer Bank setzte ich mich für 2 Stunden hin und ließ mich von der Sonne wärmen. Dabei bekam ich auch gleich einen Sonnenbrand. Anfangs war noch eine japanische Reisegruppe da, die aber nach den obligatorischen Fotos gleich wieder verschwand. Ich wurde zu Tee eingeladen. Nach ca. 1 ½ h kam ein schweizer Paar mit denen ich mich ein wenig unterhielt. Sie waren vor 2 Jahren schon in Syrien und erzählten mir dass es dort sehr schön sei. Sogar bis nach Indien seien sie schon gefahren und das nicht nur einmal. Der Weg abwärts fühlte sich noch schlimmer an. Bei jedem Schalten rutschte das Hinterrad weg. Darum dauerte es auch beinahe doppelt so lang wie hinauf. Am Nachmittag las ich im Reiseführer nach und schmierte wieder einmal die Kette. Als die Sonne unterging konnte ich ein paar tolle Fotos machen. Am Bild sah es noch spektatkulärer aus als in Echt. Am Abend zerbrach ich mir noch ein wenig den Kopf über die Heimroute und der Zeit die ich noch übrig hatte.
Tatvan 19.09.08
Gleich zu Anfang die schlechte Nachricht. Heute hatte ich einen Unfall. In einer Rechtskurve musste ich einem Auto ausweichen, als ein anderes entgegen kam. Als Reaktion zog ich die Bremse auf der rutschigen Straße (es war sehr staubig). Das Vorderrad brach sofort aus, das Bike und ich rutschten auch schon dahin. Das Motorrad schlug in das andere Fahrzeug ein und verursachte eine große Delle. Mir passierte zum Glück nichts, bis auf einen blauen Fleck auf der Hüfte. Dem Motorrad schien bis auf Kratzer, dem jetzt schon sehr verformten Koffer und einem leicht verbogenen Lenker nichts passiert zu sein. Ich bezahlte dem Fahrer des anderen Fahrzeuges 200 YTL (ca. 120 €) und damit war die Sache bereinigt. Ich war aber doch etwas geschockt wie schnell das auf einmal ging. Ich fuhr nach einer ausgiebigen Rast noch weiter bis Tatvan. Dabei war ich nicht schneller als 30 km/h. Die Strecke davor war aber wieder sehr schön, nur hatte man größtenteils losen Untergrund unter den Reifen. Am Abend wechselte ich noch alle Bremsbeläge, die alten waren schon aufgebraucht. Es war schnell und einfach erledigt. Auch heute wurde ich mit Plastikflaschen beschossen. Hier scheinen nicht gerade offene und freundliche Menschen zu leben. Der Hotelier schien auch froh zu sein, dass ich ihn nicht weiter brauchte. Dafür gab es heute einen Super Kebab für 3 €. Der tat wirklich gut. In einen starken Regen sollte ich jetzt nicht mehr kommen, denn der Koffer hat ein kleines Loch bekommen. Die Jacke war auch ein bisschen aufgescheuert.
Edremit 20.09.08
Heute Nacht weckte mich wieder der Typ mit der Trommel auf. Danach konnte ich nicht mehr so gut schlafen. Auch mein blauer Fleck schmerzte sehr. Nicht desto Trotz stand ich dann um 07:30 auf und packte zusammen. Vor dem Hotel begutachtete ich nochmals das Motorrad auf eventuelle Mängel vom Sturz. Ich konnte keine finden. Dann ging es rund um den See, der ja angeblich so schön in den Bergen liegen sollte. Ich fuhr zwar die meiste Zeit auf über 1700 m, aber schneebedeckte Berge sah ich keinen einzigen. Nach 250 km um den See nahm ich dann einen Camper für 8 YTL und gönnte mir einen leckeren Fisch. Der Besitzer schien sehr nett zu sein, sprach aber kaum Englisch.
Nusaybin 21.09.08
Gestern am Abend bekam ich noch ein Gratisessen und ging bald zu Bett. Es war wie erwartet sehr kalt, aber im Schlafsack war es angenehm warm. Am Morgen war das Aufstehen wegen der Kälte schon sehr schwer. Aber die Sachen waren schnell gepackt und so war ich ab 08:00 wieder auf der Piste. Auf einer Nebenstrecke, die eigentlich eine Abkürzung sein sollte, ging es in die Berge. Nach einigen Kilometern endete jedoch die geteerte Straße und es ging ab nun nur mehr auf Schotterstraßen weiter. Bis Nusaybin. musste ich auch durch 5 Militärkontrollen, die jedoch unterschiedlich streng waren. Bei einer musste ich mein Gepäck öffnen, bei einer anderen wurden sämtliche Seiten aus meinem Pass kopiert. Ein Soldat erklärte mir, dass dies notwendig sei für den Fall eines Angriffes der Kurden (PKK). Damit man Bescheid wusste wer sich in diesem Gebiet befand. Es war zwar jedes Mal etwas lästig aber nie unangenehm. Neben der Straße befanden sich meist Schafsherden die ich aber nicht fotografieren konnte, denn die Hunde passten gut auf sie auf. Einmal schmissen mir Kinder Steine nach, aber keiner traf mich. Sonst schienen die Leute nett und interessiert zu sein. Auf einem Pass wurde ich zu Tee (Cay) eingeladen und man versuchte sich mit mir zu verständigen. Mir war nur unangenehm dass sie gleich nach meiner Religion fragten. Das war bisher eher Tabu… Morgen geht es endlich nach Syrien. Hoffentlich kann man an der Grenze eine Karte kaufen. In dieser riesigen Ebene zwischen Euphrat und Tigris konnte ich mir gut vorstellen wie es zur Zeit Mesopotamiens war. Aus der Ferne sehen einige Dörfer noch immer wie aus einer anderen Zeit aus. Ich bin schon gespannt wie das morgen an der Grenze laufen wird. Hoffentlich werden Euros akzeptiert.
150 km vor Aleppo 22.09.08
Ich war etwas zu bald an der Grenze. Zu meinem Erschrecken musste ich 10 € Ausreisesteuer zahlen. Natürlich hatte ich auch keine türkischen Lira mehr. Aber ein Helfer am Grenzposten wechselte bzw. fuhr wechseln für 10 € Provision. Dann ging es zur syrischen Grenze. Dort musste ich 90 € für das Motorrad und die Versicherung bezahlen. Dann ging es erst richtig los. Einem der Grenzposten fiel mein GPS auf und von da an ging gar nichts mehr. Es folgten etliche Telefonate mit irgendwelchen Behörden die aber alle samt nichts brachten. Anscheinend wurde hier ein GPS als Spionage angesehen. Na toll, ich der neue James Bond! Zum Glück war auch noch ein 19 jähriger Syrer da der etwas Englisch sprach und mir so einiges übersetzen konnte. Naja die Zeit verging und nach ca. 5 Stunden war ich ohne GPS in Syrien. Ich bekam aber eine Quittung dafür und mir wurde versichert dass ich es unversehrt bei der Ausreise wieder bekommen würde. Der junge Syrer lud mich sofort zu sich ein. Ich nahm ihn auf dem Motorrad mit. Ein Bild für Götter. Bei ihm zu Hause war ich wieder einmal die Attraktion. Es gab tolles Essen und Tee. Danach zeigte er mir noch den Weg aus der Stadt und den Bankomat. Denn mit den Euros war es hier problematisch. Außerhalb touristischer Zentren war der Dollar noch immer das gängigste Zahlungsmittel. Nach ca. 250 km ging allmählich die Sonne unter. Ich wollte aber auf keinen Fall neben der Straße schlafen. Also fragte ich einen Bauern ob ich auf seinem Feld mein Zelt aufstellen dürfte. Er lud mich sofort ein bei ihm im Haus zu schlafen. Auch hier gab es wieder reichlich zu essen und zu trinken. Er konnte kein Englisch, aber er telefonierte sofort wild mit allen Verwandten. Dann kamen auch schon sein Bruder, Onkel und so weiter. Sein Bruder konnte halbwegs Englisch und so wurden einige Fragen beantwortet. Sein Onkel war ziemlich radikal und für eine Gründung Kurdistans. Denn allesamt waren Kurden. Der eine hatte sogar eine Pistole die er mir mit Stolz zeigte. Zum Glück war er sehr begeistert von Europa und von Wien. Denn er wusste um die Türkenbelagerungen und das sie damals zurückgeschlagen wurden. Er hasste die Türken. In seiner Gegenwart fühlte ich mich nicht wirklich wohl, aber er blieb nicht so lange und ich hatte ein großes Zimmer zum Schlafen.
Aleppo 23.09.08
Morgens weckte mich das Donnern eines gewaltigen Gewitters. Es regnete in Strömen als ich das Haus des Kurden verließ und nach Aleppo fuhr. Schon lustig ein solcher Regenguss in einer Wüste. Nur leider wurde es auch ziemlich kalt und der Wind pfiff durch alle Ritzen meiner Kleidung. Die Straßen waren alle sofort überschwemmt und so fuhr ich einige km in 10 cm tiefen Wasserfurchen. In Aleppo erdrückte mich der Verkehr. Die Suche nach dem Stadtzentrum war mühselig, da alles (oder zu mindest das meiste) in Arabisch geschrieben war. Erst nach unzähligem Fragen fand ich ins Zentrum. Hier half mir ein 27 jähriger Syrer ein günstiges Hotel zu finden. Es ist ein riesiger Harley Davidson Fan und träumt wie viele hier vom Paradies Europa. Als er mich auf dem Motorrad sah, kam er sofort angerannt und bot mir seine Hilfe an. Er sprach sehr gut Englisch und lernte auch schon seit geraumer Zeit Deutsch. Er zeigte mir auch ein Internet Cafe und bot mir an mich durchs Nachtleben von Aleppo mitzunehmen. Er schwärmte davon, einmal im Leben eine Harley zu fahren. Er hieß Burhan. Hier sind die Leute sehr nett und zuvorkommend, außer im Straßenverkehr, denn da kennt keiner Gnade.
Aleppo 24.09.08
Das Nachtleben war sehr beschränkt, aber Burhan und Rani zeigten mir viele verwinkelte Gassen und alte Kirchen. So stellte ich mir immer Jerusalem vor. Am Morgen wollte ich kaum aufstehen, denn es war irgendwie kühl. Um 0930 schaffte ich es dann doch aus den Federn. Ich wollte mich ja um 1200 mit Rani treffen damit er mir die Zitadelle zeigen konnte.
Um Punkt 1200 holte mich Rani vom Hotel ab. Rani ist ein Freund von Burhan, aber kein Kurde sonder Iraqui. Sein Englisch ist schlecht, aber er ist ein witziger Kerl den jeder in Alelppo zu kennen scheint. Er zeigte mir die riesige Burg und ich lud ihn dafür auf ein Cola im Restaurant ein. Da er Geschäfte in Istanbul machte, sollte ich ihn auf jedenfall bei meiner Rückreise besuchen. Am späten Nachmittag besuchten wir noch Burhan in seinem Geschäft. Er lud mich für heute Abend ein. Stolz zeigte er mir am Abend seine großartige Sammlung an Harley Davidson Produkten. Ein wahrer Fan! Dann gab es noch eine Shisha. Ich hatte keine Ahnung was da so drinnen war, aber die Shisha löste bei mir einen Rausch aus wie ich ihn noch nicht erlebt hatte. Es war ganz komisch. Er schenkte mir noch eine CD mit Easy-Rider Songs (sein Lieblingsfilm) und Rani brachte mich zurück ins Hotel. Alleine hätte ich nie und nimmer zurück gefunden.
Damaskus 25.09.08
Heute Morgen packte ich meine Sachen und fuhr noch bei Burhan vorbei. Der Abschied war herzlich und ich bekam noch eine weitere CD und eine alte 10 S£ Note. Denn Burhan war auch begeisterte Noten und Münzensammler. Es tat mir leid dass ich weiter musste, aber es sollte auch noch andere Städte in Syrien geben. Eigentlich wollte ich mir die Geisterstädte bei Hama ansehen, nur leider waren die so vergeistert, dass ich sie nicht fand. Alles war Arabisch beschildert und ich war froh zumindest die alten Wasserräder in Hama gefunden zu haben. Als ich dann in den Verkehr von Damaskus eintauchte, dachte ich verrückt zu werden. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Einer vorwärts, einer Rückwärts und seitlich kamen auch ständig Autos. Ich war heilfroh als ich das low-budget Hotel Al-Rabi fand. Hier konnte ich für 4 € am Dach auf einer Matratze schlafen. Ziemlich cool fand ich. Außerdem traf man hier wieder mal Ausländer. Außer mir schliefen noch weitere 7 Backpacker auf dem Dach. Nur das Gepäck war halt nicht richtig sicher. Man musste ständig seine Wertsachen mit rum schleppen. Ich fand auch eine Pizzeria, denn der ständige Kebab hing mir auch schon raus. Ich war schon gespannt auf die Nacht auf dem Dach.
Damaskus 26.09.08
Heute sah ich mir die Altstadt und den Bazar an. Leider war Freitag und so hatten die meisten Händler geschlossen. Am Abend saß ich noch mit einem Engländer der in Beirut wohnt beisammen. Er war Journalist und hatte einige wilde Stories auf Lager. Er war gerade am überlegen ob er nicht doch ein Jobangebot in Afghanistan war nehmen sollte. Das nenn ich mal verrückt! Im Nebenhotel war auch ein Motorradfahrer eingezogen, denn es stand eine HP2 mit kompletten Touratechumbau vor der Türe. Das Kennzeichen war aus Deutschland. Vielleicht werde ich ihn noch treffen, wäre schon toll.
Damaskus 27.09.08
Diese Nacht schlief ich schlecht. Ich hatte große Bauchschmerzen und am Morgen schlug auch schon Montezumas Rache zu. Ich hatte aus lauter Durst den Hoteleigner Nachts um ein Glas Wasser gebeten, aber nicht gewusst dass er mir Leitungswasser gab. Als ich es merkte hatte ich schon 2 oder 3 kräftige Schluck Wasser getrunken. Ich besorgte mir Bananen und Cola.
Mittags erzählte mir eine Australierin dass eine Autobombe hochgegangen sei. Am Nachmittag las ich im Internet nach und es stellte sich heraus dass es 17 Tote und mehrere Schwerverletzte gab. Ich dachte mir immer dass Syrien ein sicheres Land im nahen Osten sei.
Palmyra 28.09.08
Morgens wachte ich wieder mit starken Bauchschmerzen auf und auch die Flitze war nicht weg. Aber ich musste weiter. Also fuhr ich nach Bosra. Dort wollte ich mir ein Hotel nehmen, da der Durchfall immer schlimmer wurde. Eine Unterhose musste schon daran glauben. Aber es gab nur ein einziges Hotel hier und das kostete 180€! Das war ja unverschämt teuer. Also beschloss ich nach Palmyra weiter zu fahren. In der Lonely-Planet Karte war ein Straße eingezeichnet mit der ich ein ganzes Stück abkürzen wollte. Nur Leider fand ich diese Straße nicht und es schien als kannte diese auch niemand. So waren es dann beinahe 600 qualvolle Kilometer bis Palmyra. Zwischendurch musste ich immer wieder Löcher in die Wüste graben um nicht noch eine Unterhose zu vernichten. In Palmyra traf ich dann den HP2 Fahrer, der mich mit meinem wilden Gesten mit Sicherheit für verrückt hielt. Denn als er bei mir vorbeirauschte riss ich meine Hände in die Höhe und lief ihm laut schreiend nach. Er hieß Dirk und war seit 9 Monaten unterwegs auf einer Mittelmeerumrundung. Er schoss Bilder für Touratech und bekam dafür die HP2 zur Verfügung. Er war echt nett und bot mir Whiskey zum Abtöten der Bakterien an. Außerdem zeigte er mir noch ein paar Fotos seiner Reise.
Palmyra 29.09.08
Heute morgen fuhr ich mit Dirk zu den Ruinen um ein paar Fotos zu knipsen. Als ich dann ein wenig abseits fuhr grub sich gleich der Hinterreifen in den losen Sand. Es kostete viel Kraft wieder loszukommen. Am Abend folgte eine weitere Fotosession. Nur war ich diesmal alleine unterwegs Prompt vergrub sich auch wieder der Hinterreifen. Endlich frei, wiederholte sich diese Prozedur noch 3 weitere Male. Total erschöpft aber glücklich über die Fotos kehrte ich ins Hotel zurück. Die anschließende lauwarme Dusche war göttlich! Dirk schenkte mir noch ein Packung Kartoffelpüree. Es schmeckte wirklich gut und war milde zum Magen. Morgen geht es weiter nach Dar Ez Zur oder vielleicht direkt an die Grenze.
Quamishli 30.09.08
Heute wachte ich schon um 0800 von alleine auf. Als ich alles zusammen hatte verabschiedete ich mich noch von Dirk und wünschte ihm noch eine schöne Reise. Vielleicht trifft man sich ja wieder. Die Strecke bis Dar Ez Zur ging direkt durch die Wüste und ich ließ es mir nicht nehmen ein paar Fotos von mir in der Wüste zu machen. Von Dar Ez Zur sah ich aber bis auf die Tankstelle und einen Kiosk nichts. Es war noch genug Zeit um nach Quamashli (Grenzstadt zur Türkei) zu fahren. Vor Quamishli färbte sich dann der Himmel tiefschwarz und alles war noch ganz nass. Zum Glück schien ich dem Gewitter hinterher zu fahren. Wieder einmal dieses eigenartige Bild: Regen in der Wüste! Ich blieb aber trocken. Um 1600 kam ich in Quamishli an. Leider bzw. seltsamerweise war die Grenze zur Türkei schon geschlossen. Also fuhr ich in die Stadt und nahm mir ein Hotel für 500 S£. Es hatte sogar Satellitenfernsehen. Leider wurden die Kanonen die den Abend und somit das Essen einläuteten, neben meinem Fenster abgefeuert.
Kurz vor Gaziantep 01.10.2008
Morgens öffnete die Grenze erst um 1000 und nicht wie am Vortag gesagt um 0900. Es dauerte wieder gut 1 ½ h bis ich wieder in der Türkei war. Dafür hatte ich auch wieder mein zuvor abgegebenes GPS. Insgeheim dachte ich nicht mehr daran es wieder zusehen. Man musste zwar wieder von Büro zu Büro laufen aber letztendlich war es doch egal. Auf türkischer Seite ging es sehr rasch. Ich fuhr weiter bis Sanliurfa. Die Landschaft war wieder einmal toll. Leider ließ ich mich zu einer großen Dummheit verlocken. Ein Feldweg führte zu Höhlen die ich unbedingt ablichten wollte. Es hatte auch hier geregnet und ich kam genau in ein Schlammloch. Der Vorderreifen blockierte, dass Motorrad rutschte weg und ich machte eine Flugrolle vom Motorrad. Verdammt schon der 2. Unfall. Der linke Koffer war nun total im Eimer. Ein 5cm großes Loch klaffte in der Seite. Auch die Kofferaufhängung war eingerissen und der Lenker war wieder Verbogen, nur diesmal auf die andere Seite. Immer wieder diese Übermut… Der Koffer wackelte nun schon gefährlich stark. Ansonsten schien alles OK zu sein. Das Motorrad war zwar Dreckig wie die Sau, macht sich aber am Foto ganz gut. Ich fuhr dann noch weiter bis Gaziantep. Kurz davor bog ich auf einen Feldweg um einen Schlafplatz zu finden. Wieder musste ich Offroad fahren. Diesmal aber sturzfrei. Auf einem Feld stellte ich mein Zelt auf und genoss den wunderschönen Sternenhimmel. Ein Lagerfeuer ist schnell angezunden und das Wasser köchelte schnell. Eine Tasse heißer Tee brachte mich in den Schlaf.
Erdemli 02.10.08
Die Nacht war angenehm und im Schlafsack auch sehr warm. Morgens besuchte mich ein größerer Hund, den ich aber mit einem Stein problemlos verscheuchte. Auch ein paar Hirten mit ihren Schafen gingen vorbei. Um 1000 brach ich auf um ein Internet Cafe zu suchen. Ich wurde erst in Osmaniye fündig. Leider klappte das telefonieren mit Linda nicht so toll. Danach ging es größtenteils auf einer Fernstraße dahin. Nichtgerade Aufregend. In Erdemli kaufte ich zu esse und zu trinken. Danach fuhr ich an den Strand. Der war zwar sehr ungepflegt und vermüllt, dafür konnte ich direkt am Strand zelten. Rundherum standen zwar lauter Hotelkomplexe aber störend waren nur die Einheimischen die dauernd kamen und gingen. Morgen werde ich den schon bekannten Camper in Anamur aufsuchen und dort schlafen.
Anamur 03.10.08
Ich war wieder auf dem Camper auf dem ich schon war. Die Toilette war von oben bis unten angeschissen. Mein Durchfall wurde auch noch nicht besser. Darum begann ich mit der Einnahme von Cyprofloxacin. Das sollte endlich helfen. Ich wollte auf keinen fall in ein türkisches Krankenhaus. Die Straße war geil zu fahren, aber teilweise etwas rutschig. Besonders beim Herunterschalten brach mir regelmäßig das Heck aus. Nachts meinten noch ein paar junge Türken, es sei lustig um mein Zelt zu latschen und darauf zu klopfen. Ich habe sie aber schnell verjagen können. Am Morgen wurde es schnell zu heiß im Zelt und so war ich um 0900schon wieder auf. Ich wollte eigentlich länger schlafen.
Antalya 04.10.08
Die Strecke von Anamur nach Antalya kannte ich zwar schon, aber sie war dennoch toll zu fahren. Sehr viele Kurven und immer am Meer entlang. Diesmal war auch weniger verkehr und so ging es einem zügigen Tempo dahin. In Antalya kaufte ich mir neue Motorradhandschuhe. Die alten waren schon komplett durchlöchert. Da ich mich ja überhaupt nicht auskannte, fuhr ich gleich mal einen Großteil in der Fußgängerzone. Die Polizei brachte mich dann aber schnell wieder auf den rechten Weg. Die Pension Lazer war sehr empfehlenswert. Für das Zimmer bezahlte ich nur 15 YTL. Es war auch ein 2ter Motorradfahrer hier. Er war aus Deutschland und arbeitete als Lehrer in Istanbul. Mit ihm verbrachte ich noch den Abend. Das Essen war auch günstig und gut. 10 YTL für eine große Grillplatte und eine Nachspeise waren wirklich wenig.
Antalya 05.10.08
Eigentlich wollte ich heute länger schlafen, aber irgendwie war ich schon wieder um 0800 wach. Endlich schlugen die Antibiotika an und ich musste nicht mehr so oft auf das Klo. Danach verbrachte ich den Tag mit spazieren und Fotos schießen. Viel zu sehen gab es nicht, aber es war angenehm wieder unter Menschen zu sein, die einem einigermaßen verstehen. Ich kaufte mir auch ein Taula. Die Wäsche ließ ich auch endlich mal wieder waschen. Das war ein wirklich angenehmes Gefühl sich in frische Wäsche zu hüllen. Mein UV-Filter der Kamera war so verdreckt dass ich mir einen neuen kaufen musste. Bei dieser Gelegenheit kaufte ich mir auch einen Cardreader um endlich mal Bilder ins Internet stellen zu können.
Antalya 06.10.08
Heute besorgte ich mir ein Buch (the fourth hand) in einem second hand Buchladen. Es war so gut dass ich den ganzen Tag nur darin las. Am Abend Packte ich meine Dinge schon soweit wie möglich zusammen.
Marmaris 07.10.08
Heute war das Aufstehen sehr schwer. Nachts hatte mich leider eine Gelse um den Schlaf gebracht. Nach dem Frühstück bepackte ich das Motorrad und verabschiedete mich bei den netten Besitzern der Pension. Aus Antalya ging es zu meinem Erstaunen ziemlich schnell und leicht raus. So konnte ich nach einer halben Stunde schon die Panorama Straße am Meer genießen. Die Sonne strahlte den ganzen Tag, aber es würde dennoch nicht wirklich heiß, sondern nur angenehm warm. In Fethiye wollte ich mir eigentlich schon einen Camper suchen, fand aber keinen. Do fuhr ich weiter, bis ich in die Nähe von Marmaris kam. Dort fand ich dann einen. Der war zwar teuer aber noch günstiger als ein Hotel.
Bodrum 08.10.08
Die Strecke nach Bodrum war schön zu fahren. Aber mit nur 180 km auch sehr kurz. So konnte ich wenigstens noch die Stadt ein wenig besichtigen. Im Hostel wohnte ich in einem Gemeinschaftsraum.
Bodrum 09.10.08
Gestern wollte ich am Abend noch ein Bier in der Hostel-Bar trinken. Doch dann kamen noch 3 Männer im Alter von 50-60 und bestellten mir ein Bier nach dem anderen. Ich kam erst um 0300 ins Bett. Den restlichen Tag war ich nur müde. Morgen werde ich weiterreisen.
Edremit 10.10.08
Ich wollte heute eigentlich nur bis Cesme fahren. Die Straße war aber in so gutem Zustand und so kam ich schon mittags in Cesme an. Also beschloss ich weiterzufahren. Es wurde immer kälter und ich wartete nur noch darauf dass es zu regnen begann. Aber zum Glück blieb er aus. In Izmir verfuhr ich mich doch sehr stark. Kurz vor Bergamo hielt mich die Polizei auf und sagte dass ich zu schnell war. Es hieß 100 km/h wären 20 km/h zu schnell. Dann fing der Bulle an mir zu erklären dass ich 245 YTL Strafe zahlen sollte. Ich dachte ich hätte mich verhört. Ich erklärte ihm, dass ich nicht soviel Geld mit mir hätte und dass ich die Strafe an der Grenze zahlen würde. Blöd gelaufen, aber vielleicht kann ich morgen schon nach Griechenland ausreisen. Mit etwas Glück sind die türkischen Behörden nicht ganz so schnell und ich komme um die Strafe rum. Ich fand einen Camper der schon ziemlich heruntergekommen war. Ich musste wenigstens nicht wild campen.
Alexandroupoli 11.10.08
Morgens waren es nur 12°C und ich fror während der Fahrt. Bis Canakale ging es ziemlich schnell. Dort nahm ich die Fähre nach Eceabat. Bis zur griechischen Grenze war die Straße auch super. An der Grenze passierte ich den ersten Posten ohne auf die Strafe hingewiesen zu werden. Dann ging es weiter zum Zoll. Dort wurde mein Motorrad ausgestempelt. Wieder sagte niemand etwas wegen der Strafe. Dann kam der letzte Posten. Der Grenzer gab mein Kennzeichen gab mein Kennzeichen in den PC ein und mein Puls stieg rasant. Aber auch dieser wusste von einer offenen Strafe nichts. Juhu ihr Scheißer! Da kam ich ja noch mal gut davon. Auf der Autobahn fuhr ich dann nach Alexandroupoli, wo ich den bekannten Camper aufsuchte. Am Abend setzte ich mich vor mein zelt und wollte gerade in Bier auf den Triumph über die türkischen Behörden trinken, als ein Mann kam. Er schaute auf mein Kennzeichen und sprach mich dann in sehr gutem Deutsch an. Sein Name war James und er war Engländer der schon lange in Deutschland lebte. Er war mit dem Fahrrad bis nach Istanbul gefahren. Dort bekam er von einem Australier ein altes Auto geschenkt. Nun war er auf dem nach Hause weg. Er bezeichnete sich selbst als Althippie. Sogar in die Türkei brachte er sein eigenes Gras mit. Er rauchte die ganze Zeit und erinnerte mich an Howard Marx. Ich kam erst um 04:00 oder so ins Zelt und schlief sofort ein. Zuvor gab er mir noch ein Buch das ich einer Reisebekanntschaft mitnehmen sollte. Der Typ wohnte an der Strecke (Volos) die ich nach Athen sowieso befuhr.
Alexandroupoli 12.10.08
Die Sonne weckte mich am späten Vormittag und zum 2ten Mal auf dieser Reise benötigte ich Kopfwehtabletten. Ich hatte gestern wohl doch das ein oder andere Bier zuviel. Am Nachmittag kamen dann 2 griechische Biker und schlugen ihr Zelt neben mir auf. Sie waren sehr freundlich und wir verstanden uns auf anhieb. Sie luden mich zum Essen ein und erklärten mir dass ein Ölwechsel in Griechenland nur das Öl kosten würde. Das wäre toll! Sie waren Mitglieder vom Motoridersclub und zeigten mir die Homepage im Internet. Abends las ich noch ein paar Seiten und war dann froh wieder zu schlafen.
Alexandroupoli 13.10.08
Heute wollte ich eigentlich abreisen, aber irgendwie konnte ich nicht aufstehen. Erst um 0930 kam ich aus den Federn. Die 2 Griechen, Dimi und Geo, boten mir an mit zum Hondahändler zu kommen und das mit dem Ölwechsel und so zu klären. Wow! Ich musste wirklich nur das Öl, den Filter und den Luftfilter bezahlen. Zusammen 70€ und alles wurde Ordnungsgemäß verbaut bzw. gewechselt. Das war ja mal Super. Eine wirklich positive Überraschung. Die nächsten 10000 km können kommen!
Volos 14.10.08
Heute stand ich schon um 0700 auf und packte meine Sachen. Anschließend verabschiedete ich mich noch bei Dimi und Geo. Sie luden mich zu ihrem Clubtreffen am kommenden Wochenende ein. Danach ging es schier unendliche 580 km auf der Autobahn nach Volos. Es gab keine Möglichkeit von der Autobahn abzuweichen, dies einen Umweg von 200 km bedeutet hätte. In Volos sollte ich zum Rathaus fahren, was ich auch tat. Edouard ließ mich beinahe 90 Minuten warten, da er meine SMS nicht bekam. Ich wusste zwar von Facebook wie er aussah, nur hatte ich da nicht vermutet dass er schwul war. Aber er war sehr nett und freute sich riesig über das Buch. Seine „Wohnung“ bestand eigentlich nur aus Zimmer und Bad. Zusammen nicht einmal so groß wie mein Zimmer in Leoben. Er war sehr an Syrien interessiert und ich zeigte ihm ein paar Bilder auf seinem Computer. Am Fußboden rollte ich meine Matte aus und schlief schnell ein.
Athen 15.10.08
Die nach war angenehm und ich schlief bis 0900. Er half mir noch mein Gepäck hinunter zu tragen, immerhin wohnte er im 5. Stock. Dann bedankte ich mich noch für die Übernachtungsmöglichkeit und fuhr nach Athen. Diesmal probierte ich aber die Autobahn zu meiden. Nur leider war dies kaum möglich. Die Straßen waren alle in gutem Zustand. Leider riss die linke Kofferhalterung nun völlig. Mit der restlichen Wäscheleine konnte ich aber den Träger so gut wie möglich festbinden. Schweißen wäre zwar besser, aber es muss ja nur noch eine Woche halten. Der Camper lag mitten in Athen und war dementsprechend teuer. 16 € musste ich bezahlen. Aber Hotels würden noch mehr kosten. Heute musste ich noch herausfinden, wo genau dieses Motorradtreffen stattfinden würde.
Peloponese 16.10.08
Die Strecke von Athen aus war wie gemacht für das Motorrad. Unendlich viele Kurven und guter Asphalt. Der Camper auf dem ich übernachtete war mehr oder weniger schon geschlossen, kostete aber trotzdem 12 €. Es gab nur kaltes Wasser zum Duschen. Die Toilette war auch nicht wirklich gut. Heute habe ich auch ein österreichisches Paar getroffen das mit einem Mietauto die Peloponese abfuhr. Es war ganz angenehm mal wieder unter Landsleuten zu sein.
Pyrgos 17.10.08
Heute fuhr ich bis Patra und dort in ein Internetcafe. Manolis schrieb mir auf Facebook wo genau das Motorradtreffen stattfinden würde. Er gab mir auch seine Telefonnummer. Also fuhr ich wieder zurück bis Pyrgos. Dort rief ich dann Manolis an, der einen Freund schickte um mich abzuholen. Nach und nach trudelten dann die anderen ein. Es waren an die 25 Leute. Ich bekam ein Motoridersclub Shirt, Schlüsselanhänger und ein Halstuch. Sie nahmen mich dann offiziell in den Club auf. Es gab viel zu essen und zu trinken. Um 03:00ging ich erst ins Bett.
Pyrgos 18.10.08
Heute fuhren wir eine gemeinsame Ausfahrt nach Olympia. Dort sahen wir uns das Stadion und alles an. Es war super. Abends gab es wieder Unmengen an Fleisch und Alkohol. Diesmal ging ich aber schon um 01:00 ins Bett, da ich schon um 07:00 auf musste.
Podgorica 19.10.08
Heute fuhr ich die längste Strecke meiner ganzen Reise. Ich fuhr um 0800 von Pyrgos weg in Richtung albanische Grenze. Ich erreichte die Grenze aber schon um 1300 und darum fuhr ich weiter nach Albanien. Ein großer Fehler! Es waren die miesesten Straßen der ganzen Reise. Ich fuhr ja nur nach Albanien weil es nur noch 400 km bis zur montenegrischen Grenze waren. Die Straßen waren jedoch so schlimm, dass ich für 200 km ca. 5h brauchte. Die Hotels waren entweder zu teuer oder zu abgefackt. Die Leute waren sehr arm und irgendwie fühlte ich mich als hätte hier der Krieg erst vor kurzem geendet. Über einen Mini-Grenzposten passierte ich dann die montenegrische Grenze und fand wieder einmal keinen Camper. Da ich aber noch in der Grenzregion war traute ich mich nicht wild zu campen. Auf der Außenamtsseite wurde ausdrücklich vor Minen gewarnt! Ich fand dann ein ganz angenehmes Hotel für 30 €.
Dubrovnik 20.10.08
Die restliche Strecke durch Montenegro war traumhaft. Super Straßen und ein fantastischer Ausblick waren ganz anders als ich es erwartete. Hier gab es keine Spuren von Krieg. Alles war sehr gepflegt und ich musste sagen, es war sogar sauberer als in Griechenland. Die Einreise nach Kroatien war wie erwartet problemlos. Auch hier waren die Straßen toll. In Dubrovnik fand ich einen guten Camper. Dort traf ich zwei Deutsche mit ihrem Wohnmobil. Sie hatten auch 2 Motorräder mit. Sie schwärmten von all den kroatischen Schotterpisten. Auch hier traf ich wieder Radfahrer aus Frankreich. Sie waren auf dem Weg nach Vietnam. Wieder so verrückte!
Sibenik 21.10.08
Die Strecke war wieder toll. Obwohl Dienstag war, war kaum Verkehr. Die Aussicht war auch wunderbar. Am Morgen gaben mir die beiden Franzosen noch ihre Emailadressen und ihre Homepageadresse. Auch die beiden deutschen Motorradfahrer bewunderten mich, mein Gepäck und meinen noch immer haltenden Hinderreifen. Kurz nach Split fuhr ich auf einen Camper. Der war aber leider geschlossen und als ich einfach wild campen wollte, wurde ich sofort verjagt. In der Nähe von Sibernik fand ich dann einen Camper der zwar schon geschlossen war aber ich konnte trotzdem rein. Es war eine riesige Anlage mit Hotels, Bars und Restaurants. Da der Zeltplatz so steinig war mussten 2 große Steine die Vorzelter aufspannen.
Pula 22.10.08
Auch in Pula waren die Camper schon geschlossen aber ich fand einen auf dem ich trotzdem mein Zelt aufschlagen konnte.
Leoben 23.10.08
Heute fuhr ich über Triest und Laibach nach Österreich. Das Wetter war leider nicht gerade willkommend. Nieselregen und 11°C waren eher ein Albtraum! Noch einmal übernachten und dann bin ich zu Hause.
Linz 24.10.08
Heute kam ich endlich heil in Linz wieder an! Die Freude bei Freundin und Eltern war groß.
Fragen zu meiner Reise bzw. Informationen zu den Grenzerlebnissen werden gerne beantwortet.
Szeged 05.09.08 604 km
Heute ging es los mit meiner Motorradreise nach Syrien. Ein mulmiges Gefühl setzte sich in meinem Bauch fest, als ich meine Heimatstraße verlasse und in Richtung Wien fuhr. Ich musste mir noch mein syrisches Visum abholen. In der Botschaft ging alles ruckzuck und innerhalb weniger Minuten hielt ich meinen Pass in der Hand und betrachtete das eingeklebte Visum. Ich fuhr auf der Autobahn bis zur ungarischen Grenze. Danach ging es eher langsam und unter großer Anstrengung weiter. Mehr als 100 km/h waren kaum zu schaffen da ständig dieser unangenehme, böige Seitenwind wehte. Dennoch vergingen die Kilometer wie im Flug. Landschaftlich änderte sich weitgehend nichts und so kam ich bis Szeged an der ungarisch serbischen Grenze. Die Kosten einer Übernachtung am Campingplatz erschreckten mich. 10 € musste ich für ein Zelt bezahlen. Die abendlichen Nudeln in Steinpilzsauce schmeckten sehr gut, doch es war wie meistens viel mehr als ich essen konnte. Das Zelt war erstaunlich flott aufgebaut und so konnte ich noch eine angenehme heiße Dusche nehmen. Heute fuhr ich 604 km. Morgen werde ich nicht mehr die Autobahn benützen, da es leicht auch ohne geht.
Rumänien 06.09.08
Ich überschätzte mich mit den Campingplätzen. Anscheinend campen nicht sehr viele Leute in Rumänien, denn ich fand keinen einzigen. Als es schon stockfinster war, rang ich mich dann doch durch ein Hotel zu nehmen. Wild zu kampieren traute ich mich nicht, da es unendlich viele streunende Hunde gab. Tagsüber waren sie zwar feige, sobald es dunkel wurde schlossen sie sich zu Rudeln zusammen und wurden mutiger. In Pitesti fuhr ich in eine einsame Gasse um auf die Hauptstrasse zurück zu finden. Plötzlich jagten mich 4 Hunde unter Gebell und mit fletschenden Zähnen. Schnell gab ich Gas um ihnen zu entkommen. Generell fand ich Rumänien nicht sehr ansprechend, denn außer Armut schien es dort nicht viel zu geben. Auch landschaftlich verlor sich das Auge in der Ebene. And den Fingern und Füssen kamen schon die ersten Blasen, da ich zu lange fuhr und die Handschuhe nicht genau passten. Als ich an einem Hotel anhielt um nach dem Preis zu fragen viel mir das Motorrad um. Zum Glück passierte nicht mehr als einem verbogenen Koffer. 40 € waren mir aber zu viel und so fuhr ich weiter bis es mir egal war wie viel ich bezahlen musste. Hauptsache ein Bett bzw. Schlaf. Ich musste dann 30 € bezahlen, hatte dafür ein Spitzenzimmer. Das Essen war für 7 € wirklich ein Schnäppchen.
Pricelci 07.09.08
Die Nacht war leider laut und so konnte ich nur wenig schlafen. Nach den ersten km auf der DN7 nach Bukarest der erste Schock. Eine Polizeistreife winkte mich zur Seite. Ich war anscheinend mit 82 km/h in einer Ortschaft geblitzt worden. Er wollte alle Papiere und ließe mich dann warten. Nach 10 Minuten deutete er mir dass ich kommen sollte. An seinem Wagen zeigte er mir das Foto und die gemessene Geschwindigkeit. Ich versuchte ihm verständlich zu machen, dass ich keine Ortschaft bemerkt hätte und ich mich nur dem Verkehr angepasst hätte. Ich war mir zwar sicher dass er kein Wort verstand. Als ich dann aber Bußgeld bezahlen wollte, lehnte er ab und wünschte mir eine gute Reise. In Zukunft sollte ich aber aufpassen. 50 km später winkte mich schon die nächste Streife an den Straßenrand. Ich hatte das Licht ausgeschaltet. Zum Glück gab es wieder nur eine Verwarnung. Der Grenzübergang nach Bulgarien bei Ruse klappte reibungslos. Leider konnte man von der großen Brücke aus, welche über die Donau geht, kein Foto machen. Wer die Donau in Österreich kennt, würde staunen welche Ausmaße sie an dieser Grenze hat. Mir gefiel bis dahin Bulgarien am Besten, da es weniger Hunde (auch überfahrene) gab und es landschaftlich viel reizvoller war. Endlich gab es wieder mal Hügeln und ein paar Kurven. Ich fand auch wieder einen Campingplatz. Zwar war dieser in miserablem Zustand, aber wenigstens kostete er nur 5 €.
Alexandroupoli 08.09.09
Irgendwie stimmten die angezeigten Km des GPS nicht oder es war Luftlinie. Der nächstgelegen Camper sollte 240 km entfernt von Varna liegen. Blöd nur dass es 480 km zu fahren waren. Griechenland war viel schöner und sauberer als alle Länder zuvor, obwohl Bulgarien schon toll war. Leider waren auch die Kosten ähnlich wie zu Hause. Der Camper kostete 12 € und war nicht gerade außergewöhnlich. Ich war heute auch zum ersten Mal auf dieser Reise einkaufen und das bei Lidl. Die Bergsteigerwurst schmeckte super, genau wie das Schwarzbrot und das Gemüse. Der Strand war nicht so toll, dafür war das Wasser angenehm warm. Am Abend sprach ich mit einem Holländer der schon seit 8 Jahren mit seinem Campingbus durch Europa fuhr. Er war schon in Pension und liebte das unterwegs sein. Er war früher auch leidenschaftlicher Motorradfahrer. Seit er aber sein Haus aufgelassen hatte war es auch mit dem Motorrad vorbei. Vor der griechischen Grenze traf ich noch ein französisches Paar das mit den Fahrrädern nach Indien fuhr. Seit 2 ½ Monaten waren sie schon unterwegs. Die Franzosen sind doch immer wieder die irrsten!
Alexandroupoli 10.09.08
Heute Morgen bildete ich mir ein dass die hinteren Bremsklötze schon zu Ende wären. Also suchte ich einen Hondahändler auf um Ersatzbeläge zu kaufen. Nach über einer Stunde und unzähligem Fragen fand ich dann einen. Dort kaufte ich auch noch vorsichtshalber vordere Bremsbeläge und bezahlte unglaubliche 75 €. Als ich dann die hintere Bremsbacke abmontiert hatte, musste ich feststellen dass sie noch gut waren. So eine Scheiße, Geld für nichts ausgegeben. Dafür hatte ich jetzt Ersatzteile. Allzu lange werden die Beläge nicht mehr halten. Mit dem Anzugsmoment war ich aber etwas ratlos. Ich zog letztendlich einfach nach Gefühl an. Wird halten müssen! Danach ging ich noch an den Strand und entspannte ein wenig in der Sonne. Das tat wirklich gut! Auch heute schaute der ältere Holländer auf ein Plauscherl vorbei. Ich dachte mir dass er sehr einsam ist. Er schien auch schon zu lange an einem Ort zu sein.
In der Hauptstraße von Alexandroupoli war abends jede Menge los.
Istanbul 10.09.08
Die Fahrt zur türkischen Grenze verlief ohne Probleme. An der türkischen Grenze musste ich zuerst ein Visa kaufen (15€) und anschließend eine Versicherung abschließen. Die Versicherung war für 3 Monate gültig und kostete nur 10€. Bei Uniqua hätte das 80 € ausgemacht. Die Straße nach Istanbul war gut ausgebaut. Leider verfuhr ich mich dann doch noch sehr in Istanbul. Der hier herrschende Verkehr war mörderisch und Rücksicht kannte niemand. Die Stadt war sehr westlich orientiert und im Zentrum (Sultan Ahmet) sehr sauber und schön. Es gab viel zu sehen. Das Hotel war aber schweineteuer. 30 € musste ich pro Nacht bezahlen. Das ging schon sehr ins Geld. Darum werde ich nur 2 Tage bleiben. Endlich waren wieder einmal junge Leute um mich und ich hatte jemanden zum Reden.
Istanbul 11.09.08
Gestern saßen wir noch bis 4:00 morgens vorm Haus und tranken ein paar Bier. Istanbul war ganz anders als erwartet. Ich war positiv überrascht. Hier würde sich ein Städtetrip schon auszahlen. Die Mischung aus moderner und orientalischer Stadt ist sehr angenehm. Der Bazar war riesig und am Abend startete das große Fressen (es war ja Ramadan). Von überall her strömten die Massen ins Zentrum. Es herrschte irgendwie Volksfeststimmung. Das Geld sitzt lockt und wird dementsprechend schnell weniger. Der türkische Honig schmeckte ganz anders als zu Hause (viel weicher) und die Kebab gab es nur mit Lammfleisch. Morgen werde ich über den Bosporus fahren und dann weiter in den Süden.
Pamukkale 12.09.08
Aus Istanbul kam ich nur langsam und unter vielen Flüchen hinaus. Das Verkehrsnetz war chaotisch. Die Landschaft war dafür außerhalb Istanbuls ein Traum. Etwas überraschend waren aber die Schilder von Skigebieten. Viele Abschnitte gingen auf Hochebenen über 1000m. Dort war es zwar ziemlich karg, aber dennoch schön. Pamukkale selbst war sehr enttäuschend. Es wurden 20 Lira verlangt nur um auf den Kalktrassen zu gehen. Die sparte ich mir und machte nur Fotos von unten. Die wurden dafür sehr schön. Auf dem Weg nach Pamukkale sah ich zum ersten Mal Nomaden (zu mindest standen viele selbstgezimmerte Zelte herum). In Pamukkale halfen mir 3 Franzosen etwas Günstiges zu essen zu bekommen. Nebenbei lernten sie mir auch Backgammon (Taula). Ich konnte es zwar nicht besonders, aber es machte viel spaß. Außerdem schien es als ob es in der Türkei jeder spielen würde.
Kemer 13.09.08
Die Landschaft kam mir heute vor wie in jenem Bericht aus dem Fernsehen über den Iran. Bis auf knapp 2000m ging es hinauf. Es war traumhaft schön. Auch das Stück an der Küste war toll. Heute sah ich zum ersten Mal Straßenarbeiten. Es wurde nur Teer aufgesprüht und mit Kies überstreut. Darum waren die Straßen größtenteils so schlecht. An einer Tankstelle wurde ich von einem Wiener Türken zu Cola eingeladen. An der Küste war es angenehm mild und windstill. Am Abend spielte ich mit einem sehr gebildeten Blumengroßhändler aus Antalya Taula. Jetzt kann ich es schon viel besser. Das Motorrad gab heute sehr schrille Töne von sich. Hoffentlich war das nur wegen dem Streifen der Kette aufgrund des schlechten Straßenbelages. Hier war es schon eigenartig zu Campen, umgeben von Pauschalklubs.
Anamur 14.09.08
Heute ging es wieder auf einer Kies-Teer-Straße weiter. Die Landschaft war teilweise echt schön, da es größtenteils an der Küste entlang ging. Ich sah heute sogar einen ausgebrannten Bus. Das gab mir doch ein wenig zu denken, aber bei der türkischen Fahrweise sollte mich das nicht wundern. Zwischen Kemer und Side standen nur Hotels. In Alanya war ich bei Burger King. Das hat prima geschmeckt. In Anamur fand ich einen Campingplatz direkt neben einer Burg. Mein Zelt schlug ich am Strand auf. Auch dieser Campingplatz war sehr heruntergekommen, besonders die Toiletten. Als ich aufs Klo ging schwamm ein Frosch in der Muschel! Hoffentlich regnet es heute Nacht nicht. Der Himmel sah verdächtig nach Regen aus. Das nervende Geräusch am Motorrad war auch noch nicht wieder weg. Ich befürchtete dass ich einen neuen Kettengleitschuh brauchen würde. Aber ich wusste nicht wo ich den herbekommen sollte. Hier sah ich noch keine einzige größere Maschine, geschweige denn einen Hondahändler. Vielleicht konnte ich aus einem alten Autoreifen etwas basteln.
Göreme 15.09.08
Ich wusste jetzt woher das Geräusch am Motorrad kam. Es war definitiv der verbrauchte Kettengleitschuh, aber auch die zu lasch gespannte Kette. Von Anamur fuhr ich nach Adana. Die Straßen waren ein Traum, vor allem weil es die meiste Zeit entlang an kurvigen Straßen am Meer ging. Eigentlich wollte ich kurz vor Adana schlafen, aber ich bekam an diesem Tag nicht genug. In Silifte fuhr ich zu einer Werkstätte. Leider konnten die dort kein Englisch. Zusammen bastelten wir aus einem alten Schlauch einen Art Kettengleitschuh. Leider war dieser zu weich und nach 50 km auch durch. Ich fuhr weiter um vielleicht in Göreme ein passendes Ersatzteil zu finden. Nach beinahe 500km Fahrt kam ich abends in Göreme (Kapadokien) an. Die Landschaft war wirklich außergewöhnlich. Es erinnerte mich stark an Familie Feuerstein und den Mond. Die in den Felsen gehauenen Häuser waren bewundernswert. Am Campingplatz traf ich dann eine außergewöhnliche Reisegruppe. Vater und Tochter (Rough Tours) waren mit 6 Touristen unterwegs nach Nepal. Der Landrover war riesig und beinahe schon ein Truck. Einen geländetauglichen Anhänger fürs Gepäck hatten sie auch mit. In nur 37 Tagen fuhren sie von Stockholm nach Kathmandu. Jeder Tourist musste 4700€ dafür bezahlen. Eigentlich gar nicht so teuer. Alle waren witklich cool und locker drauf und so saßen wir noch bis 00:30 im Freien und unterhielten uns.
Göreme 16.09.08
Am Morgen ging ich ins Zentrum um eventuell einen Kettengleitschuh zu bekommen, aber natürlich gab es den nirgends. 2 Wochen könnte ich warten…
Also schraubte ich den alten runter und modifizierte ihn soweit, dass er es zu mindest für diese Reise machen wird.
Die Nacht war sehr kalt, laut Uhr nur 12°C. Aber im Schlafsack war es angenehm warm. Heute war ich einer Höhlenwohnung. Dazu musste ich allerdings ein wenig klettern. Den ich wollte keine 10€ Eintritt bezahlen. Die spinnen doch, überall kann man auch ohne Eintritt diese Behausungen ansehen. 2 Tschechen waren auch auf dem Camper. Sie waren gerade aus dem Iran zurück und empfohlen mir auch hin zu fahren, da es unbeschreiblich schön sein sollte. Am Nachmittag regnete es ein wenig, aber nur ganz kurz. Hoffentlich hält das Wetter. Ich möchte morgen auf keinen Fall das Zelt in einer Drecksuppe zusammenpacken. Der Zeltplatz bestand nämlich nur aus Sand, sowie das Meiste hier.
Damlacik 17.09.08
Ich bin heute schon um 06:00 aufgestanden. Da war es noch bitterkalt. Beim Zusammenpacken entdeckte ich 2 Löcher in meinem Zeltboden. Mir war echt schleierhaft warum. Es sollte doch ein Qualitätszelt sein?! Vielleicht kann man das auf Garantie reparieren lassen.
Heute fuhr ich doch glatt durch ein noch schöneres Panorama als die letzten Tage. Ich war jetzt tief in der kurdischen Türkei (unter vorgehaltener Hand auch Kurdistan genannt). Mit der Freundlichkeit war es aber in manchen Gebieten nicht weit her. In irgendeinem Kuhdorf in den Bergen bin ich sogar von Kindern bespuckt worden. Ich fühlte mich nicht gerade wohl. Aber die Landschaft ist kaum zu beschreiben. Stundenlang fuhr ich auf Ebenen über 1500m mit Pässen die auf 2000m hoch gingen. Der Reifen bekam aufgrund des sehr groben Asphalts auch immer weniger Profil. Die Kette pfiff nach wie vor, aber mit regelmäßigen Schmierintervallen ging es einigermaßen.
Auch diesmal war es ein langer Ritt mit über 600 km. Wenn man so in die zerklüften Täler sah, fielen einem sofort die Bücher von Karl May ein. Teilweise schien die Zeit hier still zu stehen.
Zum ersten Mal kam ich eine schlechte Polizeikontrolle. Angeblich sind in der Türkei nur 70 km/h für Motorräder erlaubt und ich fuhr wie der restliche Verkehr knapp 90 km/h. Geblitzt wurde ich mit 84 km/h. Die Strafe war saftig und machte 87,25 YTL (ca. 50€) aus. Sämtliche Proteste halfen nichts und so war mein Budget für die Türkei bis auf ein paar Euros aufgebraucht. Nun stand ich vor der Entscheidung nach Syrien zu reisen und die kommenden Benzinpreise mit Kreditkarte zu bezahlen oder Geld zu beheben und gleich weiter an den Van See zu reisen. Ich wollte dort eigentlich nur hin, falls ich ein iranisches Visum bekommen hätte. Aber soweit mir andere Reisende erzählten hätte ich sowieso ein Carnet de Passage benötigt. Das hatte ich aber nicht. Angeblich sollten der Vansee und dessen Lage atemberaubend sein.
In Damlacik campte ich um 5YTL und so beschloss ich noch einen weiteren Tag zu bleiben um die Steinköpfe vielleicht bei Sonnenuntergang zu fotografieren. Außerdem wollte ich die bevorstehende Route nochmals überdenken. Als ich nach der Lage in Diyarbakir fragte hieß es nur: “No Problem!“ Naja hoffentlich ist dem auch so. Noch vor ein paar Jahren sollten dort Straßenschlachten an der Tagesordnung gestanden haben. Aber ein Mal in Mesopotamien gewesen zu sein hat doch seinen Reiz. Die Lage in Mardin soll auf jedenfall in Ordnung sein.
Damlacik 18.09.08
So heute beschloss ich noch ein bisschen weiter in den Osten zu fahren. Morgen werde ich erstmal nach Diyarbarkir fahren und Geld beheben. Je nach dem wie lange ich dorthin brauche, werde ich weiterfahren oder nicht. Heute Morgen fuhr ich zuerst nach Arsameia. Zum Glück hatte ich die Koffer abmontiert und im Zelt gelassen. Dort ging ich eine Höhle die bis zu 160 m tief in den Berg führen sollte. Ich war allerdings nur gut 50 m darin. Danach wurde es zu steil und rutschig. Der Ausblick war wieder einmal hervorragend. Dann ging es auf einer Kiesstraße weiter zum Berg Nemrut. Beinahe 8 km konnte ich nur im ersten Gang fahren, da es so rutschig war. Außerdem gab es seitlich keine Absperrung oder ähnliches. Das war dann schon eine ziemliche Herausforderung. Es ging auf 2100 m hinauf und war dementsprechend kühl. Am Berg war ein riesiger Steinhaufen von dem Niemand weis wie er da rauf kam. Davor standen große steinerne Figuren. Es gab auch eine kleine Pension mit einem Restaurant. Auf einer Bank setzte ich mich für 2 Stunden hin und ließ mich von der Sonne wärmen. Dabei bekam ich auch gleich einen Sonnenbrand. Anfangs war noch eine japanische Reisegruppe da, die aber nach den obligatorischen Fotos gleich wieder verschwand. Ich wurde zu Tee eingeladen. Nach ca. 1 ½ h kam ein schweizer Paar mit denen ich mich ein wenig unterhielt. Sie waren vor 2 Jahren schon in Syrien und erzählten mir dass es dort sehr schön sei. Sogar bis nach Indien seien sie schon gefahren und das nicht nur einmal. Der Weg abwärts fühlte sich noch schlimmer an. Bei jedem Schalten rutschte das Hinterrad weg. Darum dauerte es auch beinahe doppelt so lang wie hinauf. Am Nachmittag las ich im Reiseführer nach und schmierte wieder einmal die Kette. Als die Sonne unterging konnte ich ein paar tolle Fotos machen. Am Bild sah es noch spektatkulärer aus als in Echt. Am Abend zerbrach ich mir noch ein wenig den Kopf über die Heimroute und der Zeit die ich noch übrig hatte.
Tatvan 19.09.08
Gleich zu Anfang die schlechte Nachricht. Heute hatte ich einen Unfall. In einer Rechtskurve musste ich einem Auto ausweichen, als ein anderes entgegen kam. Als Reaktion zog ich die Bremse auf der rutschigen Straße (es war sehr staubig). Das Vorderrad brach sofort aus, das Bike und ich rutschten auch schon dahin. Das Motorrad schlug in das andere Fahrzeug ein und verursachte eine große Delle. Mir passierte zum Glück nichts, bis auf einen blauen Fleck auf der Hüfte. Dem Motorrad schien bis auf Kratzer, dem jetzt schon sehr verformten Koffer und einem leicht verbogenen Lenker nichts passiert zu sein. Ich bezahlte dem Fahrer des anderen Fahrzeuges 200 YTL (ca. 120 €) und damit war die Sache bereinigt. Ich war aber doch etwas geschockt wie schnell das auf einmal ging. Ich fuhr nach einer ausgiebigen Rast noch weiter bis Tatvan. Dabei war ich nicht schneller als 30 km/h. Die Strecke davor war aber wieder sehr schön, nur hatte man größtenteils losen Untergrund unter den Reifen. Am Abend wechselte ich noch alle Bremsbeläge, die alten waren schon aufgebraucht. Es war schnell und einfach erledigt. Auch heute wurde ich mit Plastikflaschen beschossen. Hier scheinen nicht gerade offene und freundliche Menschen zu leben. Der Hotelier schien auch froh zu sein, dass ich ihn nicht weiter brauchte. Dafür gab es heute einen Super Kebab für 3 €. Der tat wirklich gut. In einen starken Regen sollte ich jetzt nicht mehr kommen, denn der Koffer hat ein kleines Loch bekommen. Die Jacke war auch ein bisschen aufgescheuert.
Edremit 20.09.08
Heute Nacht weckte mich wieder der Typ mit der Trommel auf. Danach konnte ich nicht mehr so gut schlafen. Auch mein blauer Fleck schmerzte sehr. Nicht desto Trotz stand ich dann um 07:30 auf und packte zusammen. Vor dem Hotel begutachtete ich nochmals das Motorrad auf eventuelle Mängel vom Sturz. Ich konnte keine finden. Dann ging es rund um den See, der ja angeblich so schön in den Bergen liegen sollte. Ich fuhr zwar die meiste Zeit auf über 1700 m, aber schneebedeckte Berge sah ich keinen einzigen. Nach 250 km um den See nahm ich dann einen Camper für 8 YTL und gönnte mir einen leckeren Fisch. Der Besitzer schien sehr nett zu sein, sprach aber kaum Englisch.
Nusaybin 21.09.08
Gestern am Abend bekam ich noch ein Gratisessen und ging bald zu Bett. Es war wie erwartet sehr kalt, aber im Schlafsack war es angenehm warm. Am Morgen war das Aufstehen wegen der Kälte schon sehr schwer. Aber die Sachen waren schnell gepackt und so war ich ab 08:00 wieder auf der Piste. Auf einer Nebenstrecke, die eigentlich eine Abkürzung sein sollte, ging es in die Berge. Nach einigen Kilometern endete jedoch die geteerte Straße und es ging ab nun nur mehr auf Schotterstraßen weiter. Bis Nusaybin. musste ich auch durch 5 Militärkontrollen, die jedoch unterschiedlich streng waren. Bei einer musste ich mein Gepäck öffnen, bei einer anderen wurden sämtliche Seiten aus meinem Pass kopiert. Ein Soldat erklärte mir, dass dies notwendig sei für den Fall eines Angriffes der Kurden (PKK). Damit man Bescheid wusste wer sich in diesem Gebiet befand. Es war zwar jedes Mal etwas lästig aber nie unangenehm. Neben der Straße befanden sich meist Schafsherden die ich aber nicht fotografieren konnte, denn die Hunde passten gut auf sie auf. Einmal schmissen mir Kinder Steine nach, aber keiner traf mich. Sonst schienen die Leute nett und interessiert zu sein. Auf einem Pass wurde ich zu Tee (Cay) eingeladen und man versuchte sich mit mir zu verständigen. Mir war nur unangenehm dass sie gleich nach meiner Religion fragten. Das war bisher eher Tabu… Morgen geht es endlich nach Syrien. Hoffentlich kann man an der Grenze eine Karte kaufen. In dieser riesigen Ebene zwischen Euphrat und Tigris konnte ich mir gut vorstellen wie es zur Zeit Mesopotamiens war. Aus der Ferne sehen einige Dörfer noch immer wie aus einer anderen Zeit aus. Ich bin schon gespannt wie das morgen an der Grenze laufen wird. Hoffentlich werden Euros akzeptiert.
150 km vor Aleppo 22.09.08
Ich war etwas zu bald an der Grenze. Zu meinem Erschrecken musste ich 10 € Ausreisesteuer zahlen. Natürlich hatte ich auch keine türkischen Lira mehr. Aber ein Helfer am Grenzposten wechselte bzw. fuhr wechseln für 10 € Provision. Dann ging es zur syrischen Grenze. Dort musste ich 90 € für das Motorrad und die Versicherung bezahlen. Dann ging es erst richtig los. Einem der Grenzposten fiel mein GPS auf und von da an ging gar nichts mehr. Es folgten etliche Telefonate mit irgendwelchen Behörden die aber alle samt nichts brachten. Anscheinend wurde hier ein GPS als Spionage angesehen. Na toll, ich der neue James Bond! Zum Glück war auch noch ein 19 jähriger Syrer da der etwas Englisch sprach und mir so einiges übersetzen konnte. Naja die Zeit verging und nach ca. 5 Stunden war ich ohne GPS in Syrien. Ich bekam aber eine Quittung dafür und mir wurde versichert dass ich es unversehrt bei der Ausreise wieder bekommen würde. Der junge Syrer lud mich sofort zu sich ein. Ich nahm ihn auf dem Motorrad mit. Ein Bild für Götter. Bei ihm zu Hause war ich wieder einmal die Attraktion. Es gab tolles Essen und Tee. Danach zeigte er mir noch den Weg aus der Stadt und den Bankomat. Denn mit den Euros war es hier problematisch. Außerhalb touristischer Zentren war der Dollar noch immer das gängigste Zahlungsmittel. Nach ca. 250 km ging allmählich die Sonne unter. Ich wollte aber auf keinen Fall neben der Straße schlafen. Also fragte ich einen Bauern ob ich auf seinem Feld mein Zelt aufstellen dürfte. Er lud mich sofort ein bei ihm im Haus zu schlafen. Auch hier gab es wieder reichlich zu essen und zu trinken. Er konnte kein Englisch, aber er telefonierte sofort wild mit allen Verwandten. Dann kamen auch schon sein Bruder, Onkel und so weiter. Sein Bruder konnte halbwegs Englisch und so wurden einige Fragen beantwortet. Sein Onkel war ziemlich radikal und für eine Gründung Kurdistans. Denn allesamt waren Kurden. Der eine hatte sogar eine Pistole die er mir mit Stolz zeigte. Zum Glück war er sehr begeistert von Europa und von Wien. Denn er wusste um die Türkenbelagerungen und das sie damals zurückgeschlagen wurden. Er hasste die Türken. In seiner Gegenwart fühlte ich mich nicht wirklich wohl, aber er blieb nicht so lange und ich hatte ein großes Zimmer zum Schlafen.
Aleppo 23.09.08
Morgens weckte mich das Donnern eines gewaltigen Gewitters. Es regnete in Strömen als ich das Haus des Kurden verließ und nach Aleppo fuhr. Schon lustig ein solcher Regenguss in einer Wüste. Nur leider wurde es auch ziemlich kalt und der Wind pfiff durch alle Ritzen meiner Kleidung. Die Straßen waren alle sofort überschwemmt und so fuhr ich einige km in 10 cm tiefen Wasserfurchen. In Aleppo erdrückte mich der Verkehr. Die Suche nach dem Stadtzentrum war mühselig, da alles (oder zu mindest das meiste) in Arabisch geschrieben war. Erst nach unzähligem Fragen fand ich ins Zentrum. Hier half mir ein 27 jähriger Syrer ein günstiges Hotel zu finden. Es ist ein riesiger Harley Davidson Fan und träumt wie viele hier vom Paradies Europa. Als er mich auf dem Motorrad sah, kam er sofort angerannt und bot mir seine Hilfe an. Er sprach sehr gut Englisch und lernte auch schon seit geraumer Zeit Deutsch. Er zeigte mir auch ein Internet Cafe und bot mir an mich durchs Nachtleben von Aleppo mitzunehmen. Er schwärmte davon, einmal im Leben eine Harley zu fahren. Er hieß Burhan. Hier sind die Leute sehr nett und zuvorkommend, außer im Straßenverkehr, denn da kennt keiner Gnade.
Aleppo 24.09.08
Das Nachtleben war sehr beschränkt, aber Burhan und Rani zeigten mir viele verwinkelte Gassen und alte Kirchen. So stellte ich mir immer Jerusalem vor. Am Morgen wollte ich kaum aufstehen, denn es war irgendwie kühl. Um 0930 schaffte ich es dann doch aus den Federn. Ich wollte mich ja um 1200 mit Rani treffen damit er mir die Zitadelle zeigen konnte.
Um Punkt 1200 holte mich Rani vom Hotel ab. Rani ist ein Freund von Burhan, aber kein Kurde sonder Iraqui. Sein Englisch ist schlecht, aber er ist ein witziger Kerl den jeder in Alelppo zu kennen scheint. Er zeigte mir die riesige Burg und ich lud ihn dafür auf ein Cola im Restaurant ein. Da er Geschäfte in Istanbul machte, sollte ich ihn auf jedenfall bei meiner Rückreise besuchen. Am späten Nachmittag besuchten wir noch Burhan in seinem Geschäft. Er lud mich für heute Abend ein. Stolz zeigte er mir am Abend seine großartige Sammlung an Harley Davidson Produkten. Ein wahrer Fan! Dann gab es noch eine Shisha. Ich hatte keine Ahnung was da so drinnen war, aber die Shisha löste bei mir einen Rausch aus wie ich ihn noch nicht erlebt hatte. Es war ganz komisch. Er schenkte mir noch eine CD mit Easy-Rider Songs (sein Lieblingsfilm) und Rani brachte mich zurück ins Hotel. Alleine hätte ich nie und nimmer zurück gefunden.
Damaskus 25.09.08
Heute Morgen packte ich meine Sachen und fuhr noch bei Burhan vorbei. Der Abschied war herzlich und ich bekam noch eine weitere CD und eine alte 10 S£ Note. Denn Burhan war auch begeisterte Noten und Münzensammler. Es tat mir leid dass ich weiter musste, aber es sollte auch noch andere Städte in Syrien geben. Eigentlich wollte ich mir die Geisterstädte bei Hama ansehen, nur leider waren die so vergeistert, dass ich sie nicht fand. Alles war Arabisch beschildert und ich war froh zumindest die alten Wasserräder in Hama gefunden zu haben. Als ich dann in den Verkehr von Damaskus eintauchte, dachte ich verrückt zu werden. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Einer vorwärts, einer Rückwärts und seitlich kamen auch ständig Autos. Ich war heilfroh als ich das low-budget Hotel Al-Rabi fand. Hier konnte ich für 4 € am Dach auf einer Matratze schlafen. Ziemlich cool fand ich. Außerdem traf man hier wieder mal Ausländer. Außer mir schliefen noch weitere 7 Backpacker auf dem Dach. Nur das Gepäck war halt nicht richtig sicher. Man musste ständig seine Wertsachen mit rum schleppen. Ich fand auch eine Pizzeria, denn der ständige Kebab hing mir auch schon raus. Ich war schon gespannt auf die Nacht auf dem Dach.
Damaskus 26.09.08
Heute sah ich mir die Altstadt und den Bazar an. Leider war Freitag und so hatten die meisten Händler geschlossen. Am Abend saß ich noch mit einem Engländer der in Beirut wohnt beisammen. Er war Journalist und hatte einige wilde Stories auf Lager. Er war gerade am überlegen ob er nicht doch ein Jobangebot in Afghanistan war nehmen sollte. Das nenn ich mal verrückt! Im Nebenhotel war auch ein Motorradfahrer eingezogen, denn es stand eine HP2 mit kompletten Touratechumbau vor der Türe. Das Kennzeichen war aus Deutschland. Vielleicht werde ich ihn noch treffen, wäre schon toll.
Damaskus 27.09.08
Diese Nacht schlief ich schlecht. Ich hatte große Bauchschmerzen und am Morgen schlug auch schon Montezumas Rache zu. Ich hatte aus lauter Durst den Hoteleigner Nachts um ein Glas Wasser gebeten, aber nicht gewusst dass er mir Leitungswasser gab. Als ich es merkte hatte ich schon 2 oder 3 kräftige Schluck Wasser getrunken. Ich besorgte mir Bananen und Cola.
Mittags erzählte mir eine Australierin dass eine Autobombe hochgegangen sei. Am Nachmittag las ich im Internet nach und es stellte sich heraus dass es 17 Tote und mehrere Schwerverletzte gab. Ich dachte mir immer dass Syrien ein sicheres Land im nahen Osten sei.
Palmyra 28.09.08
Morgens wachte ich wieder mit starken Bauchschmerzen auf und auch die Flitze war nicht weg. Aber ich musste weiter. Also fuhr ich nach Bosra. Dort wollte ich mir ein Hotel nehmen, da der Durchfall immer schlimmer wurde. Eine Unterhose musste schon daran glauben. Aber es gab nur ein einziges Hotel hier und das kostete 180€! Das war ja unverschämt teuer. Also beschloss ich nach Palmyra weiter zu fahren. In der Lonely-Planet Karte war ein Straße eingezeichnet mit der ich ein ganzes Stück abkürzen wollte. Nur Leider fand ich diese Straße nicht und es schien als kannte diese auch niemand. So waren es dann beinahe 600 qualvolle Kilometer bis Palmyra. Zwischendurch musste ich immer wieder Löcher in die Wüste graben um nicht noch eine Unterhose zu vernichten. In Palmyra traf ich dann den HP2 Fahrer, der mich mit meinem wilden Gesten mit Sicherheit für verrückt hielt. Denn als er bei mir vorbeirauschte riss ich meine Hände in die Höhe und lief ihm laut schreiend nach. Er hieß Dirk und war seit 9 Monaten unterwegs auf einer Mittelmeerumrundung. Er schoss Bilder für Touratech und bekam dafür die HP2 zur Verfügung. Er war echt nett und bot mir Whiskey zum Abtöten der Bakterien an. Außerdem zeigte er mir noch ein paar Fotos seiner Reise.
Palmyra 29.09.08
Heute morgen fuhr ich mit Dirk zu den Ruinen um ein paar Fotos zu knipsen. Als ich dann ein wenig abseits fuhr grub sich gleich der Hinterreifen in den losen Sand. Es kostete viel Kraft wieder loszukommen. Am Abend folgte eine weitere Fotosession. Nur war ich diesmal alleine unterwegs Prompt vergrub sich auch wieder der Hinterreifen. Endlich frei, wiederholte sich diese Prozedur noch 3 weitere Male. Total erschöpft aber glücklich über die Fotos kehrte ich ins Hotel zurück. Die anschließende lauwarme Dusche war göttlich! Dirk schenkte mir noch ein Packung Kartoffelpüree. Es schmeckte wirklich gut und war milde zum Magen. Morgen geht es weiter nach Dar Ez Zur oder vielleicht direkt an die Grenze.
Quamishli 30.09.08
Heute wachte ich schon um 0800 von alleine auf. Als ich alles zusammen hatte verabschiedete ich mich noch von Dirk und wünschte ihm noch eine schöne Reise. Vielleicht trifft man sich ja wieder. Die Strecke bis Dar Ez Zur ging direkt durch die Wüste und ich ließ es mir nicht nehmen ein paar Fotos von mir in der Wüste zu machen. Von Dar Ez Zur sah ich aber bis auf die Tankstelle und einen Kiosk nichts. Es war noch genug Zeit um nach Quamashli (Grenzstadt zur Türkei) zu fahren. Vor Quamishli färbte sich dann der Himmel tiefschwarz und alles war noch ganz nass. Zum Glück schien ich dem Gewitter hinterher zu fahren. Wieder einmal dieses eigenartige Bild: Regen in der Wüste! Ich blieb aber trocken. Um 1600 kam ich in Quamishli an. Leider bzw. seltsamerweise war die Grenze zur Türkei schon geschlossen. Also fuhr ich in die Stadt und nahm mir ein Hotel für 500 S£. Es hatte sogar Satellitenfernsehen. Leider wurden die Kanonen die den Abend und somit das Essen einläuteten, neben meinem Fenster abgefeuert.
Kurz vor Gaziantep 01.10.2008
Morgens öffnete die Grenze erst um 1000 und nicht wie am Vortag gesagt um 0900. Es dauerte wieder gut 1 ½ h bis ich wieder in der Türkei war. Dafür hatte ich auch wieder mein zuvor abgegebenes GPS. Insgeheim dachte ich nicht mehr daran es wieder zusehen. Man musste zwar wieder von Büro zu Büro laufen aber letztendlich war es doch egal. Auf türkischer Seite ging es sehr rasch. Ich fuhr weiter bis Sanliurfa. Die Landschaft war wieder einmal toll. Leider ließ ich mich zu einer großen Dummheit verlocken. Ein Feldweg führte zu Höhlen die ich unbedingt ablichten wollte. Es hatte auch hier geregnet und ich kam genau in ein Schlammloch. Der Vorderreifen blockierte, dass Motorrad rutschte weg und ich machte eine Flugrolle vom Motorrad. Verdammt schon der 2. Unfall. Der linke Koffer war nun total im Eimer. Ein 5cm großes Loch klaffte in der Seite. Auch die Kofferaufhängung war eingerissen und der Lenker war wieder Verbogen, nur diesmal auf die andere Seite. Immer wieder diese Übermut… Der Koffer wackelte nun schon gefährlich stark. Ansonsten schien alles OK zu sein. Das Motorrad war zwar Dreckig wie die Sau, macht sich aber am Foto ganz gut. Ich fuhr dann noch weiter bis Gaziantep. Kurz davor bog ich auf einen Feldweg um einen Schlafplatz zu finden. Wieder musste ich Offroad fahren. Diesmal aber sturzfrei. Auf einem Feld stellte ich mein Zelt auf und genoss den wunderschönen Sternenhimmel. Ein Lagerfeuer ist schnell angezunden und das Wasser köchelte schnell. Eine Tasse heißer Tee brachte mich in den Schlaf.
Erdemli 02.10.08
Die Nacht war angenehm und im Schlafsack auch sehr warm. Morgens besuchte mich ein größerer Hund, den ich aber mit einem Stein problemlos verscheuchte. Auch ein paar Hirten mit ihren Schafen gingen vorbei. Um 1000 brach ich auf um ein Internet Cafe zu suchen. Ich wurde erst in Osmaniye fündig. Leider klappte das telefonieren mit Linda nicht so toll. Danach ging es größtenteils auf einer Fernstraße dahin. Nichtgerade Aufregend. In Erdemli kaufte ich zu esse und zu trinken. Danach fuhr ich an den Strand. Der war zwar sehr ungepflegt und vermüllt, dafür konnte ich direkt am Strand zelten. Rundherum standen zwar lauter Hotelkomplexe aber störend waren nur die Einheimischen die dauernd kamen und gingen. Morgen werde ich den schon bekannten Camper in Anamur aufsuchen und dort schlafen.
Anamur 03.10.08
Ich war wieder auf dem Camper auf dem ich schon war. Die Toilette war von oben bis unten angeschissen. Mein Durchfall wurde auch noch nicht besser. Darum begann ich mit der Einnahme von Cyprofloxacin. Das sollte endlich helfen. Ich wollte auf keinen fall in ein türkisches Krankenhaus. Die Straße war geil zu fahren, aber teilweise etwas rutschig. Besonders beim Herunterschalten brach mir regelmäßig das Heck aus. Nachts meinten noch ein paar junge Türken, es sei lustig um mein Zelt zu latschen und darauf zu klopfen. Ich habe sie aber schnell verjagen können. Am Morgen wurde es schnell zu heiß im Zelt und so war ich um 0900schon wieder auf. Ich wollte eigentlich länger schlafen.
Antalya 04.10.08
Die Strecke von Anamur nach Antalya kannte ich zwar schon, aber sie war dennoch toll zu fahren. Sehr viele Kurven und immer am Meer entlang. Diesmal war auch weniger verkehr und so ging es einem zügigen Tempo dahin. In Antalya kaufte ich mir neue Motorradhandschuhe. Die alten waren schon komplett durchlöchert. Da ich mich ja überhaupt nicht auskannte, fuhr ich gleich mal einen Großteil in der Fußgängerzone. Die Polizei brachte mich dann aber schnell wieder auf den rechten Weg. Die Pension Lazer war sehr empfehlenswert. Für das Zimmer bezahlte ich nur 15 YTL. Es war auch ein 2ter Motorradfahrer hier. Er war aus Deutschland und arbeitete als Lehrer in Istanbul. Mit ihm verbrachte ich noch den Abend. Das Essen war auch günstig und gut. 10 YTL für eine große Grillplatte und eine Nachspeise waren wirklich wenig.
Antalya 05.10.08
Eigentlich wollte ich heute länger schlafen, aber irgendwie war ich schon wieder um 0800 wach. Endlich schlugen die Antibiotika an und ich musste nicht mehr so oft auf das Klo. Danach verbrachte ich den Tag mit spazieren und Fotos schießen. Viel zu sehen gab es nicht, aber es war angenehm wieder unter Menschen zu sein, die einem einigermaßen verstehen. Ich kaufte mir auch ein Taula. Die Wäsche ließ ich auch endlich mal wieder waschen. Das war ein wirklich angenehmes Gefühl sich in frische Wäsche zu hüllen. Mein UV-Filter der Kamera war so verdreckt dass ich mir einen neuen kaufen musste. Bei dieser Gelegenheit kaufte ich mir auch einen Cardreader um endlich mal Bilder ins Internet stellen zu können.
Antalya 06.10.08
Heute besorgte ich mir ein Buch (the fourth hand) in einem second hand Buchladen. Es war so gut dass ich den ganzen Tag nur darin las. Am Abend Packte ich meine Dinge schon soweit wie möglich zusammen.
Marmaris 07.10.08
Heute war das Aufstehen sehr schwer. Nachts hatte mich leider eine Gelse um den Schlaf gebracht. Nach dem Frühstück bepackte ich das Motorrad und verabschiedete mich bei den netten Besitzern der Pension. Aus Antalya ging es zu meinem Erstaunen ziemlich schnell und leicht raus. So konnte ich nach einer halben Stunde schon die Panorama Straße am Meer genießen. Die Sonne strahlte den ganzen Tag, aber es würde dennoch nicht wirklich heiß, sondern nur angenehm warm. In Fethiye wollte ich mir eigentlich schon einen Camper suchen, fand aber keinen. Do fuhr ich weiter, bis ich in die Nähe von Marmaris kam. Dort fand ich dann einen. Der war zwar teuer aber noch günstiger als ein Hotel.
Bodrum 08.10.08
Die Strecke nach Bodrum war schön zu fahren. Aber mit nur 180 km auch sehr kurz. So konnte ich wenigstens noch die Stadt ein wenig besichtigen. Im Hostel wohnte ich in einem Gemeinschaftsraum.
Bodrum 09.10.08
Gestern wollte ich am Abend noch ein Bier in der Hostel-Bar trinken. Doch dann kamen noch 3 Männer im Alter von 50-60 und bestellten mir ein Bier nach dem anderen. Ich kam erst um 0300 ins Bett. Den restlichen Tag war ich nur müde. Morgen werde ich weiterreisen.
Edremit 10.10.08
Ich wollte heute eigentlich nur bis Cesme fahren. Die Straße war aber in so gutem Zustand und so kam ich schon mittags in Cesme an. Also beschloss ich weiterzufahren. Es wurde immer kälter und ich wartete nur noch darauf dass es zu regnen begann. Aber zum Glück blieb er aus. In Izmir verfuhr ich mich doch sehr stark. Kurz vor Bergamo hielt mich die Polizei auf und sagte dass ich zu schnell war. Es hieß 100 km/h wären 20 km/h zu schnell. Dann fing der Bulle an mir zu erklären dass ich 245 YTL Strafe zahlen sollte. Ich dachte ich hätte mich verhört. Ich erklärte ihm, dass ich nicht soviel Geld mit mir hätte und dass ich die Strafe an der Grenze zahlen würde. Blöd gelaufen, aber vielleicht kann ich morgen schon nach Griechenland ausreisen. Mit etwas Glück sind die türkischen Behörden nicht ganz so schnell und ich komme um die Strafe rum. Ich fand einen Camper der schon ziemlich heruntergekommen war. Ich musste wenigstens nicht wild campen.
Alexandroupoli 11.10.08
Morgens waren es nur 12°C und ich fror während der Fahrt. Bis Canakale ging es ziemlich schnell. Dort nahm ich die Fähre nach Eceabat. Bis zur griechischen Grenze war die Straße auch super. An der Grenze passierte ich den ersten Posten ohne auf die Strafe hingewiesen zu werden. Dann ging es weiter zum Zoll. Dort wurde mein Motorrad ausgestempelt. Wieder sagte niemand etwas wegen der Strafe. Dann kam der letzte Posten. Der Grenzer gab mein Kennzeichen gab mein Kennzeichen in den PC ein und mein Puls stieg rasant. Aber auch dieser wusste von einer offenen Strafe nichts. Juhu ihr Scheißer! Da kam ich ja noch mal gut davon. Auf der Autobahn fuhr ich dann nach Alexandroupoli, wo ich den bekannten Camper aufsuchte. Am Abend setzte ich mich vor mein zelt und wollte gerade in Bier auf den Triumph über die türkischen Behörden trinken, als ein Mann kam. Er schaute auf mein Kennzeichen und sprach mich dann in sehr gutem Deutsch an. Sein Name war James und er war Engländer der schon lange in Deutschland lebte. Er war mit dem Fahrrad bis nach Istanbul gefahren. Dort bekam er von einem Australier ein altes Auto geschenkt. Nun war er auf dem nach Hause weg. Er bezeichnete sich selbst als Althippie. Sogar in die Türkei brachte er sein eigenes Gras mit. Er rauchte die ganze Zeit und erinnerte mich an Howard Marx. Ich kam erst um 04:00 oder so ins Zelt und schlief sofort ein. Zuvor gab er mir noch ein Buch das ich einer Reisebekanntschaft mitnehmen sollte. Der Typ wohnte an der Strecke (Volos) die ich nach Athen sowieso befuhr.
Alexandroupoli 12.10.08
Die Sonne weckte mich am späten Vormittag und zum 2ten Mal auf dieser Reise benötigte ich Kopfwehtabletten. Ich hatte gestern wohl doch das ein oder andere Bier zuviel. Am Nachmittag kamen dann 2 griechische Biker und schlugen ihr Zelt neben mir auf. Sie waren sehr freundlich und wir verstanden uns auf anhieb. Sie luden mich zum Essen ein und erklärten mir dass ein Ölwechsel in Griechenland nur das Öl kosten würde. Das wäre toll! Sie waren Mitglieder vom Motoridersclub und zeigten mir die Homepage im Internet. Abends las ich noch ein paar Seiten und war dann froh wieder zu schlafen.
Alexandroupoli 13.10.08
Heute wollte ich eigentlich abreisen, aber irgendwie konnte ich nicht aufstehen. Erst um 0930 kam ich aus den Federn. Die 2 Griechen, Dimi und Geo, boten mir an mit zum Hondahändler zu kommen und das mit dem Ölwechsel und so zu klären. Wow! Ich musste wirklich nur das Öl, den Filter und den Luftfilter bezahlen. Zusammen 70€ und alles wurde Ordnungsgemäß verbaut bzw. gewechselt. Das war ja mal Super. Eine wirklich positive Überraschung. Die nächsten 10000 km können kommen!
Volos 14.10.08
Heute stand ich schon um 0700 auf und packte meine Sachen. Anschließend verabschiedete ich mich noch bei Dimi und Geo. Sie luden mich zu ihrem Clubtreffen am kommenden Wochenende ein. Danach ging es schier unendliche 580 km auf der Autobahn nach Volos. Es gab keine Möglichkeit von der Autobahn abzuweichen, dies einen Umweg von 200 km bedeutet hätte. In Volos sollte ich zum Rathaus fahren, was ich auch tat. Edouard ließ mich beinahe 90 Minuten warten, da er meine SMS nicht bekam. Ich wusste zwar von Facebook wie er aussah, nur hatte ich da nicht vermutet dass er schwul war. Aber er war sehr nett und freute sich riesig über das Buch. Seine „Wohnung“ bestand eigentlich nur aus Zimmer und Bad. Zusammen nicht einmal so groß wie mein Zimmer in Leoben. Er war sehr an Syrien interessiert und ich zeigte ihm ein paar Bilder auf seinem Computer. Am Fußboden rollte ich meine Matte aus und schlief schnell ein.
Athen 15.10.08
Die nach war angenehm und ich schlief bis 0900. Er half mir noch mein Gepäck hinunter zu tragen, immerhin wohnte er im 5. Stock. Dann bedankte ich mich noch für die Übernachtungsmöglichkeit und fuhr nach Athen. Diesmal probierte ich aber die Autobahn zu meiden. Nur leider war dies kaum möglich. Die Straßen waren alle in gutem Zustand. Leider riss die linke Kofferhalterung nun völlig. Mit der restlichen Wäscheleine konnte ich aber den Träger so gut wie möglich festbinden. Schweißen wäre zwar besser, aber es muss ja nur noch eine Woche halten. Der Camper lag mitten in Athen und war dementsprechend teuer. 16 € musste ich bezahlen. Aber Hotels würden noch mehr kosten. Heute musste ich noch herausfinden, wo genau dieses Motorradtreffen stattfinden würde.
Peloponese 16.10.08
Die Strecke von Athen aus war wie gemacht für das Motorrad. Unendlich viele Kurven und guter Asphalt. Der Camper auf dem ich übernachtete war mehr oder weniger schon geschlossen, kostete aber trotzdem 12 €. Es gab nur kaltes Wasser zum Duschen. Die Toilette war auch nicht wirklich gut. Heute habe ich auch ein österreichisches Paar getroffen das mit einem Mietauto die Peloponese abfuhr. Es war ganz angenehm mal wieder unter Landsleuten zu sein.
Pyrgos 17.10.08
Heute fuhr ich bis Patra und dort in ein Internetcafe. Manolis schrieb mir auf Facebook wo genau das Motorradtreffen stattfinden würde. Er gab mir auch seine Telefonnummer. Also fuhr ich wieder zurück bis Pyrgos. Dort rief ich dann Manolis an, der einen Freund schickte um mich abzuholen. Nach und nach trudelten dann die anderen ein. Es waren an die 25 Leute. Ich bekam ein Motoridersclub Shirt, Schlüsselanhänger und ein Halstuch. Sie nahmen mich dann offiziell in den Club auf. Es gab viel zu essen und zu trinken. Um 03:00ging ich erst ins Bett.
Pyrgos 18.10.08
Heute fuhren wir eine gemeinsame Ausfahrt nach Olympia. Dort sahen wir uns das Stadion und alles an. Es war super. Abends gab es wieder Unmengen an Fleisch und Alkohol. Diesmal ging ich aber schon um 01:00 ins Bett, da ich schon um 07:00 auf musste.
Podgorica 19.10.08
Heute fuhr ich die längste Strecke meiner ganzen Reise. Ich fuhr um 0800 von Pyrgos weg in Richtung albanische Grenze. Ich erreichte die Grenze aber schon um 1300 und darum fuhr ich weiter nach Albanien. Ein großer Fehler! Es waren die miesesten Straßen der ganzen Reise. Ich fuhr ja nur nach Albanien weil es nur noch 400 km bis zur montenegrischen Grenze waren. Die Straßen waren jedoch so schlimm, dass ich für 200 km ca. 5h brauchte. Die Hotels waren entweder zu teuer oder zu abgefackt. Die Leute waren sehr arm und irgendwie fühlte ich mich als hätte hier der Krieg erst vor kurzem geendet. Über einen Mini-Grenzposten passierte ich dann die montenegrische Grenze und fand wieder einmal keinen Camper. Da ich aber noch in der Grenzregion war traute ich mich nicht wild zu campen. Auf der Außenamtsseite wurde ausdrücklich vor Minen gewarnt! Ich fand dann ein ganz angenehmes Hotel für 30 €.
Dubrovnik 20.10.08
Die restliche Strecke durch Montenegro war traumhaft. Super Straßen und ein fantastischer Ausblick waren ganz anders als ich es erwartete. Hier gab es keine Spuren von Krieg. Alles war sehr gepflegt und ich musste sagen, es war sogar sauberer als in Griechenland. Die Einreise nach Kroatien war wie erwartet problemlos. Auch hier waren die Straßen toll. In Dubrovnik fand ich einen guten Camper. Dort traf ich zwei Deutsche mit ihrem Wohnmobil. Sie hatten auch 2 Motorräder mit. Sie schwärmten von all den kroatischen Schotterpisten. Auch hier traf ich wieder Radfahrer aus Frankreich. Sie waren auf dem Weg nach Vietnam. Wieder so verrückte!
Sibenik 21.10.08
Die Strecke war wieder toll. Obwohl Dienstag war, war kaum Verkehr. Die Aussicht war auch wunderbar. Am Morgen gaben mir die beiden Franzosen noch ihre Emailadressen und ihre Homepageadresse. Auch die beiden deutschen Motorradfahrer bewunderten mich, mein Gepäck und meinen noch immer haltenden Hinderreifen. Kurz nach Split fuhr ich auf einen Camper. Der war aber leider geschlossen und als ich einfach wild campen wollte, wurde ich sofort verjagt. In der Nähe von Sibernik fand ich dann einen Camper der zwar schon geschlossen war aber ich konnte trotzdem rein. Es war eine riesige Anlage mit Hotels, Bars und Restaurants. Da der Zeltplatz so steinig war mussten 2 große Steine die Vorzelter aufspannen.
Pula 22.10.08
Auch in Pula waren die Camper schon geschlossen aber ich fand einen auf dem ich trotzdem mein Zelt aufschlagen konnte.
Leoben 23.10.08
Heute fuhr ich über Triest und Laibach nach Österreich. Das Wetter war leider nicht gerade willkommend. Nieselregen und 11°C waren eher ein Albtraum! Noch einmal übernachten und dann bin ich zu Hause.
Linz 24.10.08
Heute kam ich endlich heil in Linz wieder an! Die Freude bei Freundin und Eltern war groß.
Fragen zu meiner Reise bzw. Informationen zu den Grenzerlebnissen werden gerne beantwortet.