Donnerstag 28.08. Auf nach Rijeka. Ich packte all meine Sachen, da ich von Rijeka nördl. weiterfahren wollte. Willi nahm nur das notwendigste mit, der gute Mann hatte noch eine Woche Urlaub. Auf der ersten Tanke in der Stadt fragten wir einen Chopperfahrer nach Marcel Moto, dem KTM Dealer. Auf dem Sozius saß eine hübsche Blondine im Minirockerl und pinkfarbenem Jethelm. Leider musste sie in jeder Hand einen 5Liter Benzinkanister halten. Nachdem ich mich wieder auf den Fahrer konzentrieren konnte erfuhr ich, dass wir beim nächsten traffic-light rechts abbiegen müssen, dann nur der Strasse zu folgen hätten und nach zwei Kilometer am Ziel seien. Sowar es dann auch, aber das Motorradgeschäft war nicht das von Marcel Moto. Ein älterer Herr klärte uns dann auf, dass Marcel Moto nicht am östlichen sondern entgegengesetzt am westlichen Rand von Rijeka liegt. Umfahrungsstrasse bis Abfahrt Opatija, dann wieder Rijeka. War gar nicht leicht zu finden denn die Werkstatt war in einem Wohnhaus im Villenviertel untergebracht. Erster Eindruck: sieht sauber aus, die Neufahrzeuge, hauptsächlich Roller waren vornehm im Wintergarten untergebracht. Willi erklärte, dass seine Kupplung defekt sei. Ein prüfender Blick des Meisters auf das ölende Teil und schon verschwand er in einem Zimmer. Eine Minute später stand er wieder da mit dem KTM Packerl in der Hand, in dem sich ein neuer Kupplungsnehmerzylinder befand. Montiert wurde er auch sofort und das KTM unwürdige Baumaschinenöl wurde ausgespült und durch teures Magura blood (so heißt die Flüssigkeit für die hydraulische Kupplungsbetätigung) ersetzt. Tolles Service, tolle Werkstatt, dort arbeiten nur Vater und Sohn, Goran Podravski ist sein richtiger Name.
Dann noch geschwind auf ein Eis ins mondäne Opatija. Die Verabschiedung von Willi, der wieder nach Senj zurück fuhr. Für mich ging´s über den Ucka Pass ins Landesinnere. Vor der slowenischen Grenze habe ich noch im Dorf Trstenik halt gemacht. Ein Geisterdorf, fast alle Häuser verfallen, die Leute weggezogen wo es Arbeit gibt. Nur ein paar Alte sind zurückgeblieben, der Friedhof machte den gepflegtesten Eindruck. An der Grenze musste ich sogar einen Koffer öffnen, dann war es aber mit der Kontrolle vorbei. Über Triest ging´s dann wieder bis Lignano wo ich um zehn Uhr Abend eintraf.
Freitag 29.08. Leider habe ich wieder zu lange geschlafen. Schönes Wetter, ich will in die Berge. Nichts wie rauf auf die Twin. Zuerst düste ich auf der kleinen Strasse über den Monte Rest nach Ampezzo. Dann zum Kanaltal, aber in Chiusaforte rechts ab zur Sella Nevea. Über einige Kehrtunnels gelangt man auf die Passhöhe. Dann zum Raibler See (Lago di Predil) und über den Predilsattel rüber nach Slowenien. Nach dem alten Fort, durch das die Strasse verläuft bin ich dann links zur Mangartstrasse abgebogen. 5 Euro muss man jetzt für den Aufstieg löhnen, das ist es aber bei schönem Wetter wert. Man durchfährt einige Felstunnels und gelangt auch auf asphaltierten Pfaden zur Lahnscharte. Wunderschöne Ausblicke belohnen die Auffahrt. Die Stichstrasse muss man allerdings wieder zurück fahren. Weiter ging es nach Kobarid (Karfreit). An der Tanke dort gab´s für die Twin und mich Verpflegung. Ein nettes Bankerl zum sitzen war auch dort. Hab mich dann mit einem Einheimischen unterhalten, der hastig immer wieder SMS auf einem mit Tixoband zusammengewickelten Handy tippte. Always trouble with women, und er schüttelte erbost seinen Kopf. That´s cause women always want to do what man not want to do, war meine Antwort. Er stutzte kurz, ein scharfes yes und der erhobene Daumen war seine Antwort. Da es schon sechs Uhr abends wurde musste ich mich sputen noch über den Stol zu kommen, da es dort im finsteren nicht gut zu schottern ist. Die Anfahrt unten durch den Wald war dieses Jahr am schlechtesten, dafür waren die oberen Abschnitte trotz groben Schotters dank des Mitas E07 gut zu fahren. Noch gschwind ein paar Fotos oben in der untergehenden Sonne und die Abfahrt nach Ujka (Uccea). Über den Passo di Tanamea gings Richtung Tarcento. Die Abendstimmung, das rote Licht der Berge, das Blubbern der Twin machten eine einzigartige Stimmung. Über San Daniele mit den Lagerhäusern der Prosciutto-Fabriken ging´s wieder zurück nach Lignano.
Am Sonntag den 31.08. bin ich dann über Predil und Vrsic wieder nach Österreich gelangt. Urlaub ade.
Fazit: Slowenien und Kroatien sind für Endurofahrer tolle Urlaubsländer. Die Ausblicke in den weiten, menschenleeren Wäldern sind zwar nicht so atemberaubend wie in den Alpen, aber die dalmatinische Küste kann da vieles wieder wett machen. Enduros sind in beiden Ländern nicht so begehrt wie schnelle Strassenmotorräder oder Supermotards. Gut für uns, so können wir noch hoffentlich lange ungestört durch die Wälder fahren. Preisniveau: An der Küste in der Haupturlaubszeit recht hoch, im Landesinneren aber wesentlich billiger. Sprit in Slowenien derzeit 1,13 EUR.
Spezi
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