Leider sind einige Bilder vom Server bzw. meiner Festplatte (es handelte sich fototechnisch um ein fünfköpfiges Gemeinschaftsprojekt) verschwunden, der Text dürfte jedoch aussagekräftig genug sein. Laabernix bin übrigens ich, damals noch mit der dicken Trude. Viel Spaß:
Sardinien 2005
Hallo liebe Freunde,
hier ist der schon lange erwartete Bericht der diesjährigen Sardinientour.
Im Gegensatz zur Tour des letzten Jahres waren wir nur zu fünft, dies tat jedoch der Laune keinen Abbruch.
Noch eine kleine Vorausbemerkung: Nicknames und Insidergags wurden absichtlich belassen, ansonsten hätte der Text wesentlich weniger Gehalt und Niveau, auch die Lesbarkeit hätte stark gelitten.
1. Tag, 23. Mai, Montag
Abfahrt Nordheim.
Der Tag der Abreise ist gekommen. Allerdings, -wie üblich bei BU-Tours- hatte der Wettergott kein Einsehen und überschüttete Beule und mich schon bei der Fahrt von Schwetzingen nach Nordheim mit allerlei Häßlichkeiten.
Obwohl Nordheim, direkt neben Biblis gelegen, eigentlich für strahlende Zustände aller Art geradezu prädestiniert wäre, war davon nichts zu spüren. Der einzige strahlende Anblick war der von Tedy und Bella, welchbeide uns bereits erwarteten.
Da entgegen der ursprünglichen Zeitplanung eine sofortige Abreise nicht möglich war –die Klamotten von Bella und Tedy waren aufgrund der tags zuvor erlebten Unterwasserfahrt noch nicht trocken- konnte der Tag dann eher gemütlich angegangen werden.
Die hieraus resultierende Beschaffung wasserdichter Bekleidung reduzierte die Urlaubskasse nicht unerheblich, proportional zur Urlaubskasse wurde ebenfalls das Nervenkostüm der Mannheimer LOUIS-Filialmitarbeiter belastet. Mit vollen Tüten und leeren Taschen (ein ungeplanter Besuch bei LOUIS hat auf ungefestigte Personen die gleiche Wirkung wie ein IKEA Besuch) strömten wir nach Nordheim zurück, wo endlich der finale Packvorgang in Angriff genommen werden konnte.
Gefühlte drei Tage später, eingepackt im mehrere Lagen hautfreundlicher atmungspassiver Substanzen warteten wir die letzten Sonnnenstrahlen ab und ließen uns die A5 in südlicher Richtung hinunterspülen. Als uns die Strömung nach Basel hineintrug spürten wir die ersten Auswirkungen des Tunnelblicks („Ich hab die Blaulichter ganz deutlich gehört!!!“) und beginnendem körperlichen Verfalls.

Trotz der etwas ausgedehnten Tankpausen der nikotinabhängigen Mitfahrer kamen wir wider Erwarten doch noch vor Ausbruch der Dunkelheit in Sursee beim Hotel an, jedoch sehr zum Unwillen des Hotelliers zu verspäteter Stunde, was zu ebensolcher Türöffnung führte. Wie kann man aber im Land der Präzisionsuhren einfach „später“ ankommen, oddr?

Nach einer erfischenden, oder wohl eher wärmenden Dusche war die Betriebsfähigkeit wiederhergestellt, so daß es höchste Zeit für den Ersteinsatz des „Entgastungskommandos“ wurde. Die örtliche Pizzeria wurde ins Fadenkreuz genommen und als lohnendes Zielobjekt aufgefaßt.

Die „strategische Neuausrichtung“ des Entgastungskommandos fokussierte sich erstmals auf die jugendliche Komponente des Bedienungspersonals, welchselbige sich jedoch durch charmegeprägte Spontanität unserem Konzept verweigerte. Beispiel: Frage nach dem Salatdressing:“Italienisch oder Französisch?“ –und noch bevor irgendjemand von uns etwas sagen konnte kam der Nachschuß: „Das Dressing natürlich!“ –da war alles klar. Die von mir müde (und grundehrlich!) nachgeschobene Bemerkung, wirklich „an nichts anderes“ gedacht zu haben, wurde mit dem Satz „Kennst Du Pinocchio?“ knallhart abgebürstet. Respekt! Man könnte fast meinen, daß diese Lokalität bereits durch einschlägig bekannte Personengruppen heimgesucht wurde.
Diverse Pizzen und Pilse später traten wir den kurzen Heimweg an.
24.5. Dienstag
Ein erster Blick aus dem Zimmerfenster sorgte morgens für größere Irritation, da sich der Himmel in einem bis dahin unbekannten Farbton (hellblau) zeigte. Die Taucherbrillen konnten also problemlos durch die mutigerweise mitgeführten Sonnenbrillen ersetzt werden, welch in den zahllosen anschließenden Tunnels gute Dienste leisteten. Mit jedem Kilometer gen Süden wurde es wärmer; der wie üblich gut geheizte Gotthardtunnel stimmte uns schon auf die bevorstehenden Temperaturen ein. Kurz nach dem Grenzübergang nach Italien kam der bereits vom letzten Jahr bekannte relaxte Umgang der itaienischen Verkehrsteilnehmer mit Beschränkungen aller Art auf gediegene Weise zu Tage, als wir von einem Maserati (im Rückspiegel nur als silbergrau umrahmter Kühlergrill wahrzunehmen) sehr souverän links(!!) liegen gelassen wurden. Ähnlich unspektakulär nahm uns der gleichmäßig vor sich hindonnernde italienische Schwerstlastverkehr in seine Reihen auf und spuckte uns erst am Fährhafen von Genua widerwillig aus.
Aufgrund unseres geradezu fahrlässig pünktlichen Eintreffens konnten wir ausgiebig die planmäßig verzögerte, nahezu endlos sich hinziehende Entladung der Fähre aus der vordersten Reihe beobachten. Zu einem Zeitpunkt an dem sich die Fähre bereits auf höchster See befinden hätte sollen, durften wir zu unser großen Überraschung dann doch in den Bauch des Schiffes eintauchen.

In den Eingeweiden des Schiffes erwartete uns eine angesichts der fortgeschrittenen Stunde eine übellaunige Lademannschaft, die ihre universelle Inkompetenz durch zartfühlenden, unsachgemäßen Umgang mit scharfkantigem Verladegeschirr auf Kosten edler Lackteile zeigte. Nach lautstarker Intervention Tedy’s wurden die Versuche großflächiger Zerkratzungen eingestellt und durch sofortige Arbeitsverweigerung ersetzt. Durch Eigeninitiative unsereseits wurden die für jegliche Befestigungen ungeeigneten, schon mehrfach geflickten „Spanngurte“ dann doch zumindest ansatzweise zur Befestigung der Motorräder verwendet.


Eine ausführliche Würdigung dieser Vorgänge wird in der einschlägigen Fachpresse unter Nennung der Fährgesellschaft (GRIMALDI-Lines) erfolgen. Ein diesbezügliches Dankschreiben an die monegassische Fürstenfamilie, ebenfalls ausführlich bebildert, wird folgen.
Selbstverständlich befolgten wir auf dem Weg zur Rezeption die Sicherheitshinweise.

Überraschenderweise war die Verteilung der Kabinen einigermaßen problemlos, daas anschließende „preisheftige“ Abendessen mit wichtigen Vitaminen beruhigte den Kreislauf,

so daß einer gepflegten Nachtruhe, untermalt durch das gleichmäßige Schütteln und Vibrieren der Schiffsmaschinerie, welches sich mit mit dem Schnarchen meiner Mitinsassen zu einer einzigartigen Klangmischung verband, nichts mehr im Wege stand.
Zu frühmorgendlicher Stunde weckte uns ein mindestens dreisprachiges Kauderwelsch aus dem Bordlautsprecher, welches mutmaßlicherweise die Ankunft in Porto Torres angekündigt haben könnte.
Dem war dann auch tatsächlich so.
Dank unserer Eigeninitiative standen die Motorräder tatsächlich noch unverrückt an ihren Plätzen. Um eventuell etwas unüberlegten Maßnahmen der Lademannschaft zuvorzukommen befreiten wir die Maschinen selbst von ihren Fesseln.
Entfesselt, in dicke Abgasschwaden der abfahrenden Trucks gehüllt, verließen wir das Schiff um gleich darauf im Hafen das erste Frühstück in Form von mehreren Caffè Latte (oder so) einzufahren. Nach Auffrischung des Koffeeinspiegels und des Tankinhalts fuhren wir weiter nach „La Ciaccia“. Die Fahrt dorthin gab uns bereits einen netten Vorgeschmack auf die Relativität sogenannter „Verkehrsregeln“. Eine geradezu absurde Situation ergab sich, als ein italienischer Verkehrsteilnehmer vehement durch Hupen und Handzeichen (wie auch sonst?) von uns die Einhaltung der Fahrwege in einem nur bruchstückehaft erkennbaren Kreisverkehr einforderte. Linkstangentiale Überquerungen sind jedenfalls einfacher als eine Dreiviertelumkreisung, vom Benzinverbrauch und der Geräuschbelästigung mal ganz abgesehen.
Die Ferienwohnung übertraf unsere Erwartungen bei weitem: Schön gelegen, ein Beinaheneubau mit Meerblick.

Nach Bezugnahme der Zimmer und anschließender Rehygienisierung war ersteinmal Relaxen angesagt. Am späten Nachmittag strömten wir zum nahegelegenen Supermarkt um uns mit den nötigen Vitaminen und Teigwaren einzudecken.

Nach einer ersten Zwischenmahlzeit folgte der aufgrund des Supermarktbesuchs nötig gewordene Gang zum Bancomaten, auch die Euros mußten nachgetankt werden. Ein beschauliches Abendessen in der nahegelegenen Pizzeria, begleitet durch AC Milano vs. FC Liverpool beendete den Tag. (Leider gingen wir nach der Halbzeitpause, so daß uns der fulminante Kontersieg der Liverpooler entging...)

26.5. Donnerstag
Erste Kleinreparaturen (die sich zu Großbaustellen auswuchsen) waren fällig. Meine etwas schwergängige Hinterradbremse bedurfte einer kleinen Überholung. Gerüchte, daß aus dem Bowdenzug mehrere Eimer Dreck und undefinierbare Exkremente entfernt werden mußten sowie die angeblich nur zu dritt mögliche Entfernung des Drahtseils entbehren jeglicher Grundlage. Das war kein Dreck, das war baltischer und albanischer Straßenstaub, also mindestens als Reliquien zu bezeichnende Sedimente, wennschon....
Die nach der leichten Überholung vorhandene Bremswirkung hatte dann aber doch ein wenig mehr „Biß“, führte sie doch zu blitzschnellem Vollblockieren des Hinterrades selbst bei nur leichtem Betrachten des Hebels.
Als die Technik dann endlich wieder in brauchbarer Form war, brachen wir zur ersten größeren Tour auf, quasi als kleiner „Vorglüher“ für die bevorstehenden landschafts- und kulturhistorischen Bildungsfahrten.

An der Küste entlang ging’s über Sorso nach Sassari, zum Kaffeetrinken und Eisessen.

Ein kleiner außerplanmäßiger „Umfaller“, nix schlimmes, der aber Bella’s Virago einen Spiegel kostete, bescherte uns einen beschaulichen Trip durch den lebhaften Stadverkehr um zu guter Letzt doch beim ortsansässigen Yamahahändler einen stilistisch hochwertigen Ersatzspiegel zu erhalten. Da wir ein wenig vor der offiziellen Nachmittagsöffnungszeit ankamen, zogen wir die Aufmerksamkeit eines Bediensteten der städtishen Parkraumbewitschaftungsbehörde auf uns, der uns irgendwas von Parkgebühren oder so nahebringen wollte.

Nach einigem Hin und Her, sprachlich auf beiden Seiten von völligem Unverständnis geprägt, stellten wir die Maschinen auf einer Sperrfläche und vor einer Hofeinfahrt ab. Das war dann okay. Nach erfolgter Montage des einen Spiegels (der zweite mußte noch bestellt werden) verließen wir Sassari und ließen uns vom Feierabendverkehr gen Porto Torres spülen.
Tedy hatte sich wie immer in den Kopf gesetzt, uns mit einer kleinen Motorbootfahrt zu bespaßen. Dazu muß man aber erst einen entsprechenden Verleihservice finden. In Platamona, einer eigentlich nur aus Strandcafès und Parkplätzen bestehenden Ansiedlung wurde der erste diesbezügliche Versuch gestartet. Erfolglos. Nach Einnahme diverser Aqua Minerales und Caffèlatten ereilte Bella’s Vrago leider ein elektrisches Unwohlsein, welches sich in Gestalt von plötzlicher Nullspannung zeigte. Eine Havariebrigade, bestehend aus westlicher Innovationsfreude und östlicher Improvisationsgabe durchkämmte die umliegenden Hinterhöfe und bastelte aus einem „plötzlich dagewesenen“ Feuchtraumkabel nach allerbester „Mac Gyver“-Art ein Starthilfekabel, nur um festzustellen daß mittlerweile Dank der Hilfe eines Berliner Wohnmobilisten die Batterie wieder unter Dampf stand. Weitere Störungen dieser Art traten nicht mehr auf. Das Kabel haben wir aber doch behalten.. Man weiß ja nie.
Tedy und Mischa fuhren anschließend separat weiter um einen weiteren Bootsverleih zu finden. Resultat: Nichts.
Beschlossen wurde der Abend durch kollektive Vernichtung der leckeren „Knoblauchspaghetti alla Bella“, nur echt mit mindestens einer Knolle pro Nudel. Puuuuhh-ha.

27.5. Freitag
Zu später Stunde gemütliches Frühstück, anschließend „Kilometermachen“. Eine kleine Runde um die Gemeinde mit Ausflug in Sachen „Kultur“ nach Castelsardo.

Mit donnernden Hufen stürmten unsere Stahlrösser bergan und bahnten sich laut wiehernd ihren Weg durch höchst interessierte und mitteilsame Touristenströme aus den gebrauchten Bundesländern.

Angesichts des bevorstehenden Wochenendes beschlossen wir, eine gepflegte Grillierung vorzunehmen. Der nahegelegene Supermarkt mit reichhaltiger Fleischabteilung wurde um einen Großteil seines Warenbestandes erleichtert also stand der abendlichen Fleischbeschau nichts mehr im Wege.

Geschult durch jahrelangen Konsum diverser Kochshows fanden dezente Verfeinerungen der Fleischbrocken durch dezentes benetzen bzw. überschütten mit Wein und anschließendem Ablöschen des entstandenen Großbrandes mit Bier statt, was zu einem „ent-zückenden!“ Aroma führte.

Der Spagat zwischen „Roh“ und „Übergar“ wurde vom Chef de Chaosine gekonnt zelebriert.
Ausgeprägtes Verdauen unter Zuhilfenahme einiger lokaler Traubenextrakte rundete den Tag und die Füße ab...

28.5. Samstag
Besuch bei Mike nebst Bikerparty in San Teodoro war angesagt.
Zu mitternächtlicher Stunde gegen 8.00 Uhr aufzustehen grenz schon an Körperverletzung.

Egal, wat mut dat mut. Letztjährige Erfahrung beim motorisierten Abstieg durch senkrechte Felswände ließen mich das Motorrad am Fuß des Berges parken. Dort warteten Bella und ich auf die anderen, die sich mutig an den Auf- und Abstieg(!) wagten.
Wenig später kamen Mike und die anderen aus der Wand gestiegen und nach einem kleinen Abstecher zu einem weiteren Freund (Knut) fuhren wir los. Über kurvige, völlig verkehrslose Nebensträßchen gings nach Arzachena, wie üblich zu einer Caffèlattenpause. Das Sitzplatzangebot der Bewirtungseinrichtung stand jedoch in diametralem Verhältnis zu den vorhandenen Parkmöglichkeiten, so daß die Durchgangsstraße des Ortes zu einer schmalen Gasse wurde. Kurz nach Leerung der letzten Tassen und der Weiterfahrt überraschte uns der entgegenkommende Konvoi der Clubausfahrt von San Teodoro, wir wendeten und schlossen uns kurzerhand einfach an. http://www.motoclubsanteodoro.com/index.htm" onclick="window.open(this.href);return false;

Uns wurde schnell klar, daß die Anwendung der uns in Fleisch und Blut übergegangenen „Konvoiregeln“ hier auf Sardinien nur zu einem ruckartigen Komplettstillstand führen würde.
Hier die ortsüblichen Vorgehensweisen:
Es wird mindestens in Zweierreihen gefahren, je nach Straßenbreite und Gegenverkehr.
Überholvorgänge innerhalb der Gruppe sind links, rechts und mittig zulässig.
Quads dürfen auch auf zwei Rädern fahren. Und im Straßengraben überholen.
Italienische Edelrenner haben grundsätzlich Überholrecht, unabhängig von der momentanen Verkehrssituation.
Austausch von Kleingeld und Zigaretten und Handys während der Fahrt ist ausdrücklich erlaubt.
Zum Zigarettenanzünden ist grundsätzlich anzuhalten, unabhängig von der Verkehrssituation.
Die Richtung des Konvois ist an jeder Kreuzung/Abzweigung mit eventuell kreuzenden Verkehrsteilnehmern ausführlichst basisdemokratisch auszudiskutieren.
Anhalten an obigen Punkten darf nur unter völliger Belegung aller möglichen Abzweigungen geschehen, auf mitfahrende Begleitfahrzeuge (Carabinieri/Ambulanzia) sollte nach Möglichkeit Rücksicht genommen werden.
Situationsbedingt gewöhnten wir uns recht schnell an die vorgenannten Regeln, so daß einer Teilnahme an diesem hochgeordneten Chaos nichts mehr entgegenstand. Es machte aber auch trotz unserer teutonischen Ordnungsliebe einen Riesenspaß.. Zur Hälfte der Strecke strömte der ganze Haufen in ein Ristorante wo lokale Spezialitäten kredenzt wurden. Leckere Süßspeisen inclusive.

Nach Füllung der Bäuche ging’s weiter nach San Teodoro. Dort auf dem Clubgelände angekommen ging die Show einfach weiter. Draußen auf der Straße wurden unter den wohlwollenden Blicken der Carabinieri eventorientierte Sicherheitstrainings wie Stoppies und Wheelies vorgeführt, eben typische Verhaltensweisen im italienischen Straßenverkehr.
Ein trotz der Ausmaße kleines, aber feines Treffen.
Beule beschloß später aufgrund der vorgerückten Stunde und des ebensolchen Pegels, die Nacht auf dem Campground zu verbringen. Sehr löblich!
So nahmen Tedy, Bella, Mischa und ich die schon traditionelle Inseldurchquerung bei Nacht in Angriff. Ein paar wenige Verfahrensfehler auf dem Weg zur teilweisen Autobahnsorgten für kurzfristige Verwirrung, dann wurde der Weg jedoch schnell klar.Die nächtliche Querung der Insel über kurvigste Bergstraßen hat ein ganz eigenes Gepräge. Gut, derAutoverkehr ist in etwa gleichbleibend gering wie tagsüber, jedoch verändert sich die allgemeine Geschwindigkeit reziprok zur Stärke des Tageslichts. Besonders deutlich wird dies bei den Überholpraktiken:
Es ist völlig irrelevant ob da Gegenverkehr, Haarnadelkurven, Kuppen oder andere Hemmnisse bestehen. Einfach aufblenden, Hebel on the Table und vorbei...
Wohin das führt durften wir auch erleben. Deutlich hörbares Blaulicht von hinten, auf einem Carabineri-Alfa montiert, raste an uns vorbei. Wenig später standen im Dunkel des Waldes in einer Kurve zwei ineinandergebohrte Autos herum, deutlich sichtbar abgesichert durch in leuchtendes Grauschwarz gekleidete, wild handyfonierende Italiener. Das hat man dann davon.
Kurz darauf überholte uns halsbrecherisch ein Fiat Tipo der uns anschließend direkt voraus einen wohl ungeplanten 180° Dreher vorführte. Er kam uns dann auch logischerweise auf unserer Spur entgegen...
An einigen Abzweigungen mußte die nächtliche Geografie mit der Karte mühevoll in Einklang gebracht werden, gezieltes Abtasten großflächiger Wegweiser hilft da sehr.

Leicht erschöpft kamen wir nach drei Stunden in unserem Quartier an und schliefen bis weit in den Sonntag hinein aus.
29.5. Sonntag
Wie bereits bemerkt begann der Sonntag eher später. Eigentlich war vorgesehen, einen kleinen Einkauf zu machen. Da wir aber erst nach 13.00 Uhr halbwegs betriebsbereit waren war der Supermarkt schon zu. Pech.
Also Programmwechsel, Wäschwaschen und Strandbesuch. Für beides war es inzwischen aber auch höchste Zeit! Extrementspanning.

30.5. Montag
Eine neue Woche. Kleinreparaturen wie Blinkerbirnchen waren schnell erledigt. Von immenser Wichtigkeit war die Reparatur des defekten Kühlschranks, welcher durch Einbau zweier Paletten Vitamine wieder funktionsfähig gemacht wurde. Highlight des Tages war der schon traditionelle Besuch unserer Freunde: Caroline von der http://www.ig-motorrad.ch" onclick="window.open(this.href);return false; und Steffen, dem „Arzt, den die Frauen verhauen“. Wir fuhren nach Santa Teresa della Gallura an den Fährhafen um die beiden abzuholen. Die Fahrt dorthin brachte einen weiteren Rekord, stieg doch die Häufigkeit der 180° Umkehrungen/km² in ungeahnte Höhen. Letzendlich ungehindert durch geschlossene Schranken die sich urplötzlich (ohne große Diskussion) öffneten, schmale Durchlässe durch’s Zollsperrgebiet, begasteten wir ein nahegelegenes Cafe um die Ankunft der Fähre von Korsika abzuwarten. Da kam sie auch schon.
Nach den üblichen Wohnmobilen und dem Radfahrergeschmeiß verdunkelte sich der Himmel und zwei unförmige Klötze bajuwarischer Herkunft füllten mit der Ästhetik und Voluminösität eines schwangeren Glascontainers das schmale Hafensträßchen.

Großräumige Umleitungen des verbliebenen Restverkehrs waren die Folge, dadurch ergab sich eine weitgehend verkehrsfreie Rückfahrt.
Abends wurden zur Feier des Tages selbstgestrickte Knoblauchspaghetti mit Brot sowie einige Flaschen „Rosso Brutale“ und ein leckerer „Chateau Clochárd“ verköstigt. Aus technischen Gründen gibt es keine weiteren Details, wir bitten um Ihr Verständnis.

31.5. Dienstag
Ein aufgrund der Ereignisse vom Vorabend an den Mittag verlegtes Frühstück leitete den Abschied unserer Besucher ein. Benzin- und Profilvernichtende Kurvendiskussionen führten gerade mal noch so knapp rechtzeitig zum Fährhafen, es handelte sich hier um ein sogenanntes „zeitnahes Eintreffen“.... Unsere Gäste konnten sich jedoch noch problemlos einschiffen.

Die anschließende Rückfahrt wurde mal wieder zur Suche nach einem Motorbootverleih genutzt. Natürlich wieder ergebnislos.
Bella und meine Wenigkeit haben sich aus den beschriebenen Aktivitäten konditionsbedingt ausgeklinkt und so nahm jeder für sich ein paar separate Kurven ein. Ich beschränkte mich auf den Versuch im benachbarten Valledoria deutschsprachige Zeitungen aufzutreiben. Leider kam als Ergebnis der Versuche nur ein Exemplar der Verdummungspostille Nr.1 heraus, bedruckt mit einem Ganzkörperfoto von Herrn Merkel und einer Drohung.

(Die auf dem Bild zu erkennenden Medikamente stehen in direktem Zusammenhang mit der Schlagzeile.)
Offensichtliche Erschöpfungssyndrome der heimkehrenden Kurvendiskutanten ließen uns von einer Selbstkochaktion Abstand nehmen und so beendeten wir den Tag beim einheimischen Italiener. Die anschließende „Nachbesprechung“ am heimischen Tisch wurde bei netten Ballspielen (Ball-an-tines) noch zu einem Durchbruch der Kreativitätsschallmauer genutzt, was sich in gewagten theoretischen Umkonstruktionen italienischer Kleinsttransporter (Piaggio Ape 50) zeigte. „West Coast Tuning“ würde da vor Neid erblassen... Inwieweit die ausgebrüteten Modifikationen jemals umgesetzt werden... Eventuell könnte da der technologische Wahnsinn (bzw. das bastlerische Geschick) des Herrn S. aus Dings bei KL bezüglich hoffnungslos übermotorisierter Vehikel ein lohnendes Ziel finden.
1.6. Mittwoch
Aus irgendeinem Grund war ich wesentlich munterer als die anderen „Konstruktionshelfer“ des Vorabends und nahm das Abenteuer in Angriff, in Sassari eine neue Tachowelle für meine Trude zu besorgen. Um es kurz zu machen: Vergiß es! Lieferzeiten von bis zu drei Wochen sind da eher abschreckend. So nutzte ich den Tag zu einer Privaterkundung der näheren und weiteren Umgebung.

Angeregt durch einen netten Hinweis von Tedy „Da in Tempio steht irgendso ein alter Schrott herum, Lokomotiven oder so...“ fuhr ich also dorthin und entdeckte nach langer Sucherei den perfekt nicht ausgeschilderten Bahnhof mit seinen Abstellgleisen.
Technik die begeistert.

Für einen Bahnhof mit, nun ja, etwas „eingschränktem Zugangebot“, 2x täglich vor und nach den Mahlzeiten, ganz schön viel Gleise.
Anschließend fuhr ich noch die mir empfohlene Strecke ab auf der ein leichter Steinschlag für mehrspurige Fahrzeuge eine Sperrung darstellte, für Motorräder jedoch keine Probleme macht.

Hossa, da hat’s ordentlich gerumpelt! Allem Anschein nach fand dieses Rolling Stones Konzert aber schon vor längerer Zeit statt da die Absperrungen aus einbetonierten Leitplanken(!!) bestanden und die Straße einigermaßen verunkrautet war.

Die Aussicht ist jedoch atemberaubend.
Hinter dem Bergrücken links liegt La Caccia.
Richtig schön, mal ohne Belästigung durch Gegenverkehr oder Radfahrergeschmeiß die Kurven richtig mit Schmackes nehmen zu können.
Am Ende dieser Straße steht der „Rocca de’ll Elefante“, ein bizarr geformter Fels der allseits bekannt ist und von einer Reihe Souvenirläden bewacht wird. Ein entsprechendes Erinnerungsfoto war natürlich Pflicht.
Links der Felsen.
2. 6. Donnerstag
Mit „Rundfahrtkultur“ ging’s am Donnerstag weiter. Die Insel hat beängstigend viele kulturelle Highlights zu bieten, leider lassen sich diese nur nach Anhalten näher erschließen. „Wo haben wir denn überhaupt angehalten?“-Zitat: Mischa. Die Altstadt von Tempio wurde aus obengenannten Gründen hingegen langsam durchfahren. Man will ja sehen, gesehen und gehört werden. Abends kochte Bella eine leckere Knoblauchsoße mit überbackenen Nudeln, wie üblich von packendem Aroma. Langsam bildete sich eine urlaubstypische Krankheit, die sogenannte „Sardische Gefäßerweiterung“ heraus, die sich in zunehmendem Maße in zunehmenden Maßen zeigte..
3. 6. Freitag
Wir gingen den Tag „molto piano“ an, da ein Großereignis bevorstand. Unsere unermüdlichen Versuche, einen Motorbootverleih aufzutreiben waren endlich von Erfolg gekrönt! Also machten wir uns wieder auf, um Mike zu besuchen und dort zu übernachten. Mike, Silja und der Rest der schon wieder gewachsenen Familie begrüßetn uns nebst Hofhund Rufus ganz herzlich und bewirteten uns mit lecker Speis und Trank. Gerüchte, daß der Hofhund metallicblaue Truden als Markierungspunkt nutzte, wurden vom Besitzer obengenannten Fahrzeugs unter größtmöglicher Gewaltandrohung im Keim erstickt und keinesfalls weiterverbreitet. Einer ausgiebeigen Besichtigung des Gartenparadises schloß sich ein langanhaltender Grillabend an...
4.6. Samstag
Untergebracht in Gartenhütten und Wohnwagen verbrachten wir eine mehr oder weniger ruhige Nacht um zu mitternächtlicher Stunde gegen 9.00 Uhr nach Porto Pozzo aufzubrechen, dort lag unser Spielzeug für den heutigen Tag vor Anker.

Kritisch von Käpt’n Tedy beäugt fand das Boot auch unser aller Zuspruch. Somit ergab sich für den Rest der Crew die Gelegenheit, unser gesamtes nautistisches Wissen (welches bequem auf einer Nadelspitze Platz finden könnte) unter Beweis zu stellen. Die Zusammenhänge zwischen Knoten, Seemeilen, Betriebsstunden und sonstigen nautistischen und navigantischen Feinheiten sind aber nun wirklich ein Kapitel für sich. Navigantisch durch eine grob fotokopierte Karte der umgebenden Inseln perfekt auf das Hochseeabenteuer vorbereitet stachen wir in See, um fremde Welten und unbekannte Zivilisationen bzw. Lebensformen in Gewässern, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat, für immer von der Landkarte zu entfernen.

Die nötige Spannung bekam die Kreuz- und Querfahrt besonders durch die Tatsache, daß die Inseln aus Wasserhöhe irgendwie gänzlich anders als auf der Karte aussehen. Egal, der Seeweg ist schließlich das Ziel. Zur Erheiterung fast aller Kreuzfahrer trugen auch gelegentliche Hochgeschwindigkeitseinlagen bei, für die sich die Bezeichnung „Wave-Headbanging“ am passenden erwies: Kadusch-wrrromm-Kadusch-Kadusch-wrrromm.. usw., nur gelegentlich unterbrochen durch leise Freudenschreie der Chefstewardess.

Die Schüttelei hatte auf die Verdauung eines führenden Crewmitglieds allerdings eine wahrlich durchschlagende Wirkung, so daß die nichtvorhande Keramikabteilung des Bootes eine gewisse Problematik darstellte. Eine in diesem Zusammenhang zum „Minenlegen“ vorgesehene menschenleere Bucht mußte allerdings kurz nach öffnen des Hecktorpedorohres von nahezu allen Ausflugsbooten des Mittelmeers heimgesucht werden so daß das Abschießen des Projektils unter verschärften Manöverbedingungen unabhängiger Beobachter stattfand.
Solchermaßen von Ballast befreit begann eine neuerliche Expedition ins (inzwischen etwas dezimierte) Fischreich, garniert mit lustigem Rätselraten über die mögliche Himmelsrichtung und der Wahrscheinlichkeit, französische Gewässer zu verletzen. „Das da drüben könnte Korsika sein. Oder das da hinten?“
Armselige Fischerboote dümpelten müde in unserem Kielwasser dahin, bevölkert mit ausgemergelten Gestalten.
Es hatte irgendwie den Anschein daß auf diesem Schiff ein älterer Herr im Rollstuhl sitzt und eine Perserkatze streichelt...
Eine plötzliche Leere des Treibstoffvorrats ließ uns einen rettenden Hafen ansteuern. Dort bewies sich erneut, daß der Erwerb der inzwischen nicht mehr ganz so neuen Bundesländer auch einen gewissen Technologietransfer auf dem Gebiet der Petrochemie beinhaltete, konnten so doch gewisse Minderkenntnisse von Bürgern der gebrauchten Länder bezüglich des Mischverhältnisses von Zweitaktsprit im Rahmen einer intensiven Technologieberatung durch die mitgereisten petrochemischen Fachingenieure in Zusammenarbeit mit dem Mitabeiter des Tankkombinates vermutlich befriedigend gelöst werden.

Auf der Rückfahrt durch geführte Extremmanöver bewiesen jedoch die Leistungsfähigkeit des Gemischs; wenn keine Wellen zum Headbanging da sind, dann macht man sich eben welche!
Solchermaßen erholt war auch die Heimfahrt nur noch ein Katzensprung. Die „Extremschifferei“ führte jedoch zu leichten Erschöpfungszuständen und beschleunigter Bettschwere, so daß die vorher noch konkret angedachte „Eisschlacht“ sang- und klanglos ausfiel.
5. 6. Sonntag
Trotz der samstäglichen „Seeschlacht“ fanden wir uns teilweise in der Lage, die ein- oder andere Tour durchzuziehen. Beule und Tedy fuhren frühmorgens los um die „Rhein Neckar Truderos“ am Hafen von Olbia abzuholen. Leider hatten die Truderos nicht allzuviel Zeit, da sie noch eine lange Tour vor sich hatten. Beule und Tedy entdeckten dafür völlig überraschend die Hauptstraße nach Olbia, die skandalöserweise nahezu keine Kurven beinhaltet. Eine entprechende Beschwerdemail an das sardische Straßenverkehrsamt wird vorbereitet.
Der sonntägliche Einkaufsbummel von Bella, Mischa und mir im nahen Supermarkt fand durch ein zufälliges Zusammentreffen mit dem rückkehrenden Begrüßungsrollkommando ein jähes Ende. Die dadurch vergrößerte Transportkapazität führte bedauerlicherweise auch zum Erwerb einer Kiste mit adligem Inhalt, der im Rahmen eines ausgedehnten kollektiven Selbstversuchs einer näheren Untersuchung unterzogen wurde.

6. 6. Montag
Was als gemütliche Ausfahrt begann, entpuppte sich als touristisch und fahrerisch anspruchsvolle Tour durch den Nordwestzipfel der Insel. Die diesjährige Sardinien-Trophy stürzte sich wie üblich über senkrecht abfallende, lose geschotterte streichholzschmale Eselspfade durch das sardische Bergland.

Haarnadelkurvige, durch menschenleere Einöden führende Schmugglerpfade, bestens geeignet für grobstollige Langgabler stellten jedoch keine nennenswerten Hindernisse dar. Am Ende der Freeclimbingetappe angekommen trafen wir auf eine Bauarbeiterkolonne, die sich noch orientierungsloser erwies und uns auf Nachfrage und Zeigen der Karte sehr präzise drei völlig unterschiedliche Angaben machte.
Eine bedrohlich wirkende, langsam näherrückende Staubwolke am Horizont aus der sich eine Herde der berüchtigten sardischen Killerschafe herauswälzte, überrolltelaut mähend eine bis dahin ungemähte Wiese. Glücklicherweise machten die monströsen Kreaturen einen großen Bogen um uns, sehr zum Verdruß des laut mit einer Schafsglocke bimmelnden Hirtenhundes.

Endlich, der Asphalt hatte uns wieder.
Leicht ausgehungert und schweißgebadet nahm uns der wie immer von Spontanität und Einfallsreichtum geprägte, also völlig normale Stadtverkehr von Sassari wieder auf. Nach einer Querdurchkreuzung, in Tateinheit mit mehrfachem unangekündigtem Spurwechseln über virtuelle Fahrspuren wurde ein bis dahin friedliches Cafè aufs heftigste heimgesucht. Dort fand das eigentliche Frühstück statt.
Vor die Weiterfahrt hatten die Götte des Verkehrs jedoch das gezielte Verlassen der Stadt über die Autobahn (oder worüber auch immer) gesetzt. Der Hinweis „Tutti le direzioni“ weist zwar deutlich auf die Möglichkeit hin, in nahezu alle Richtungen falsch abzubiegen, hilft jedoch nur sehr eingeschränkt beim Auffinden der beabsichtigten Richtung. Der vage Hinweis Tedy’s „Richtung Flughafen“ (=Aeroporto) half da schon eher. Über eine mit netten Handlungsempfehlungen verzierte Schnellstraße verließen wir denn doch die lebhafte Metropole in Richtung „Tutti le direzioni“.
Alghero, übrigens gerüchteweise mit einer sehr katalanischen Altstadt, blieb wieder links liegen. Stattdessen steuerten wir über eine aussichtsreiche Küstenstraße das „Capo Caccia“ an, mit seiner berühmten Neptungrotte.

Zu unserer aller Überraschung legte das Boot zu der Grotte absolut überpünktlich ab, so daß uns vorerst nur der Blick über die postkartengerechte Bucht blieb. Zum Glück verkürzten einige Caffè-Latten die Wartezeit.
Nach reiflicher Überlegung warfen wir die Schiffahrt angesichts der Preise über Bord und fuhren auf den Gipfel des Capo Caccia, um die 652 Stufen bis zur Grotte hinab in Augenschein zu nehmen. Hierbei beließen wir es dann auch.

Von der Südwestspitze der Nordwestecke, „über plattes Land und haufenweise Wind-wie bei Büsum“, an diversen sardischen Salinen vorbei fuhren wir nördlich zur nördlichen Nordpitze der Nordwestecke. (Als dieser Satz entstand entfernte sich Beule mit den Worten: „Ich kriege Kopfweh...!“ aus den Reihen der Literaturschaffenden.) Capo del Falcone hieß das Ziel.

In Stintino entpuppte sich sich die uns empfohlene Pizzeria als Ristorante der gehobenen Kategorie, gehoben weil: Im ersten Stock über einer Tankstelle. Der Personaleinsatz war immens: Zwei Serviererinnen pro Pizza und eine festinstallierte Kassiererin. Diese Lokalität verfügt über drei Sterne im Guide Agip, aufgrund der Lage in Riechweite der Zapfsäulen.
Apropos Zapfsäulen: Nach der Nutzung selbiger durch einen namentlich nicht näher genannten Herrn L. aus HD am N wurde die seitens einer Erziehungsberechtigten an ihre Tochter gestellte Frage: „Wie macht das Motorrad?“ durch eben jenen ungenannten Herrn auf die ihm innewohnende dezente und zurückhaltende Art nachdrücklich und in aller Deutlichkeit beantwortet. Die darauffolgende ein wenig von Überraschung geprägte Reaktion des Kindes war ein klares Zeichen für die Notwendigkeit, die Jugend frühzeitig und gezielt an die Materie heranzuführen.
Der Rückweg ging ruckzuck. So sah das zumindest Tedy. Durch malerische, aufstrebende Industriegebiete mit traditionellen, auf echter sardischer Korkeichenrinde gemalten Hinweisschildern irrten wir zielsicher mehrfach an Porto Torres vorbei und schlugen etwas ermattet im Bett auf.
7.6. Dienstag
Drei völlig gegensätzliche Touren brachen heute los.
Mischa gab seinem Hang zu unkontrollierter kultureller Erbauung letztendlich widerstrebend nach und besuchte ortsübliche Ruinen und Berge, wobei galaktische Höhendifferenzen von ca. 150m fußläufig zurückgelegt werden mußten.
*KULTURALARM ON*Bei diesen „Nuraghen“ handelt es sich um urgeschichtliche, ehemals bewohnte Steinhaufen der Inselbevölkerung von denen sich vortrefflich die benachbarte Nuraghe mit Pfeil und Bogen bewerfen ließ.*KULTURALARM OFF*
Als ob diese erschöpfende Tätigkeit noch nicht genug gewesen wäre, so kam die Flucht vor einer bedrohlich schwarzen, blitzenden und donnernden (Nein, es handelte sich NICHT um meine Trude) Wolke noch hinzu. Mich ereilte diese Wolke bei einem neuerlichen Ausflug nach Tempio. Meine Flucht endete unter dem Dach einer am Hang gelegenen Tankstelle, von welchem sich wenig später tsunamigleiche Flutwellen quer über die Stadt ergossen. Beule und Bella bekamen von alledem nichts mit und fuhren nach Sassari um den bestellten Spiegel abzuholen. Die Fahrt durch die Stadt und die Suche nach dem Yamaha-Händler beinhaltete auch das ein- oder andere kulturelle Highlight. Da ich die beiden ja eigentlich treffen wollte, machte ich mich nach Verebben der Flutwelle auch nach Sassari auf. Waren die Straßen in trockenem Zustand grandios griffig, so verwandelten sie sich nach diesem Wolkenbruch in eine eklige, schmierseifige Rutschbahn, die wenige Kilometer später jedoch schon wieder absolut trocken und hochgeschwindigkeitstauglich wurde. Dank des mir innewohnenden GPS fand ich nach Umkreisung des Domes,

mehrfacher Befahrung des Universitätsplatzes und unzähliger Kreisverkehre das zum Treffpunkt ausersehene Cafè, von wo ich eine hochpräzise Wegbeschreibung an Beule und Bella absetzte. Mehrere Stunden und unzählige Caffèlatten später gab ich die Warterei jedoch auf und machte mich auf den Rückweg. Beule und Bella hingegen durchquerten die Altstadt auf Straßen, Wegen und Gäßchen, deren durchschnittliche Breite einen Verkehrsfluß offensichtlich nur aufgrund der Kapillarwirkung ermöglichen. Beule kam da um ein Haar fast mit einem Apehanger heraus... Das Auffinden des Yamaha-Händlers und der Anbau des bestellten Spiegels war dann nur noch ein Kinderspiel.
Tedy hütete unterdessen das Haus und nach und nach trudelten wir gegen Abend wieder ein.
Eine zwischenzeitlich durchgeführte „Presseschau“ sorgte für großflächige Erheiterung.

Zur Stärkung der müden Knochen grillierten wir abschließend noch einige Fleischbrocken und Spieße weg.

Gerüchte, daß der vorherige Chef du Grill während der heutigen Zubereitung an einen Baum gefesselt wurde, entbehren jeglicher Grundlage!
8. 6. Mittwoch
Den letzten Tag vor der Rückfahrt nutzen wir für einige letzte Kurzausflüge in die nähere Umgebung um heftige Brandung vor Ort und den Fährticketschalter in Porto Torres zu suchen. Mission erfolgreich, zumindest an diesem Tag...
Auf direktem Weg zurück zur Restspaghettiverwertung, diesmal mit einer ganz speziellen handgemachten Sauce die es den Spaghetti ermöglichte, eine form- und ganz besonders kraftschlüssige Vebindung mit der Schüssel einzugehen. Umrühren und auslöffeln war nur zu zweit möglich, einer mußte die Schüssel halten...
In diesem Zusammenhang(!) bleibt zu hoffen, daß die in diesem Urlaub aufgetretene „Gefäßerweiterung“ in den nächsten Wochen durch gezielte, vitamin- und ballaststoffreiche Kost ein klitzekleinwenig verringert werden kann.
9.6. Donnerstag
Ein spätes Frühstück mit Resteverwertung des Kühlschranks und Zubereitung der Lunchpakete begann den Tag. Aufgrund der preislichen und kulinarischen Extremsituation an Bord blieb uns nur die Selbstversorgung, obwohl wir ansonsten solchen Aktionen eher distanziert gegenüberstehen.
Großreinemachen in der Wohnung, verbunden mit dem Versuch, das wie immer völlig überdimensionierte Gepäck in wie immer viel zu kleine Transporteinheiten zu verpacken, waren die Tätigkeiten des Nachmittags.
Kurz vor knapp, pünktlich so gegen circa 16.00 Uhr verließen wir die Ferienwohnung und fuhren –ausnahmsweise völlig direkt- ...naja, fast völlig direkt nach Porto Torres zum Hafen. Trotz der am Vortag erfolgreichen Streckenerkundung führte der Weg über einigermaßen ungewöhnliche Zufahrten. Für einen Großteil der Mitfahrer eher überraschend, für 20% hingegen sehr interesant war die im Rahmen der Suche nach dem Fährterminal durchgeführte Erstbefahrung des Bahnsteigs vom Hafenbahnhof... Als schon niemand mehr damit rechnete strahlte uns die meerwassergegerbte, ehemals funkelnde Flachglasfassade des Terminals matt an, dort nahmen wir die Tickets in Empfang.
Aufgrund der gähnenden Leere am Verladekai, nur durch wild durcheinanderfahrende Trucks unterbrochen, tranken wir uns in der örtlichen Kleingastromomie die üblichen Latten, bevor wir uns in die erste Reihe zum Anstellen aufreihten.

Im Vergleich zur Abfahrt in Genua ging es hier direkt gesittet und übersichtlich zu, ruckzuck waren die Motorräder und einige mitgereiste BMW’s an Bord. Angesichts des deutlich sichtbaren Seegangs übernahmen wir das Verankern der Motorräder selbst, es sah auch wesentlich professioneller und stabiler aus als das Gezwirbel auf der Hinfahrt.
Gar spaßig war die anschließende Verteilung der Kabinen: Wir folgten einem Steward zu den für uns auserkorenen Unterkünften und siehe da: Fanfaren ertönten, Engel sangen und der Geist Neptuns schwebte über den Wassern! Unglaublich, eine geräumige Außenkabine! Mit Meerblick! Wir lagen uns ob unseres unfaßbaren Glücks weinend in den Armen, als die Seifenblase der allgemeinen Glückseligkeit und des Frohlockens mit einem Male durch einen anderen Steward krachend zum Einsturz gebracht wurde. Eine kleine, kaum erkennbare, mirkroskopische Nummernverwechslung führte uns letztendlich doch wieder in einen sehr vertrauten begehbaren Kleiderschrank, Kabine genannt. Zwischen diversen Aromen ausgezogener Stiefel, volltranspirierter Klamotten und dem kaum vorhandenen Restsauerstoff tobte ein ungleicher Kampf, der mit einem schwerverwundet durch die schmalen Lüftungsschlitze entfliehenden einsamen O2- Molekül endete. Solchermaßen untergebracht entstiegen wir dem Zwischendeck, um noch ein wenig frische Luft zu erhaschen.

Vom Heck der Fähre beobachteten wir die letzten Verladeaktionen der „gerade noch mal so rechtzeitig“ gekommenen, als sich die Sonne langsam hinter den Horizont verabschiedete und wir in die See stechen konnten. Dort packten wir auch die Lunchpakete aus, selbstverständlich mit den nötigen Vitaminen in ausreichenden Dosen. Leider wurde diese Art der Selbstversorgung von einem gewissen Herrn B. aus S. bei HD auch in etwas gehobenen Ambiente der Pianobar beibehalten, wie anhand der mit verschreckter Kamera aufgenommenen Bilder überdeutlich wird.
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Wie man deutlich sieht machen zu viele Vitamine ausgesprochen enthemmt..[/img]
...und gewalttätig!
Wie das ganze Schiff, so verströmte auch die Spielhalle den Charme der frühen 80er Jahre. Hier machte es großen Spaß, endlich wieder lange vermißte, grobpixelige „Space Invaders“ abzuschießen. Ein Schulungsgerät des italienischen Straßenverkehrerziehungsamtes wurde hier von uns getestet und mit dem Siegel:“ Realistisch!“ versehen.

Unsere Kabinen befanden sich diesmal im vorderen Teil des Schiffes, so daß das Gewummer der Maschinen nicht störte. Das Gewummer der Maschinen wurde jedoch souverän von der in der Nähe befindlichen Schiffsdiscothek übernommen, aus der man mit den besten Ergüssen italienischer Karaokekunst bis in die späten Nachtstunden unterhalten wurde.
10.6. Freitag
Morgens Ankunft in Genua.
Das nahezu zeitgleiche Eintreffen zweier Großfähren an benachbarten Liegeplätzen führte beim Entladen zu leicht erhöhtem Verkehrsaufkommen.

Die Fahrt durch den Hafen, zeitgleich zum morgendlichen Berufsverkehr verschaffte uns dankenswerterweise unsere Jahresration an Schwermetallen und Stickoxiden. Ich sollte mit Rauchen anfangen, ist sicher wesentlich gesünder! Die erste Raststätte nach Genua nutzen wir zum ausgiebigen Frühstück. Über kurvige, rennstreckenähnliche Autobahnen ging’s in die Schweiz. Bemerkenswert waren die Veränderungen, die beim Betreten der Eidgenossenschaft geschahen. Die Visiere wurden sauber, Staubpartikel verschwanden von alleine, Chromteile begannen zu glänzen und selbst im Inneren des Geldbeutels zeigte sich eine ungewohnte Aufgeräumtheit. Solchermaßen gepflegt trafen wir nachmittags wieder im Hotel „Zum Hirschen“ in Sursee ein.

Dort bezogen wir die Zimmer, nahmen einen Kaffe und bekamen sogar noch einen georgelt. In diesem Hotel befindet sich eine reichhaltige Sammlung mechanischer Musikinstrumente, unter anderem eben die weltgrößte „Mortier“-Tanzorgel.

Zum Ausklang begasteten wir ein Thai-/China Restaurant mit deftigen Speisen fernöstlicher Herkunft und ausgesprochen prägnanter Würze.
Die Fahrerei verlangte ihren Tribut und so nahm dieser Tage ein frühes Ende.
11.6. Samstag
Bei arktischen Temperaturen verließen wir die Schweiz und fuhren nach Hause, weiter gen Norden. Auf einem Rastplatz kam die Idee auf, daß man ja noch bei Beule einen Kaffee trinken könnte. Also aktivierte er Küken, die sich auch sofort bereiterklärte uns mit Treibstoff zu versorgen.

Mit Beule als Tourguide ging’s nach Schwetzingen in eine bis dahin ruhige Wohngegend. Die geräumige, lichtdurchflutete Souterrainwohnung bot einen netten Anblick in Gestalt der „Haushüterin“, die schon mit handgekauften Keksen, einer Kanne Preßkaffee und weitausgebreiteten Armen die Rückkehr von uns und ganz besonders des Hausherrn erwartete.
Unzählige Tassen und Kekskrümel später brachen die Übriggebliebenen auf um den Restheimweg anzutreten. Ein kurzer Abstecher nach Wieblingen bedeutete für mich den Abschied, Bella, Mischa und Tedy nutzen die nahegelegene Tankstelle und fuhren weiter.
Mischa hatte ja noch einige Kilometers vor sich und übernachtete wieder in Nordheim.

Schön wars! Es hat riesigen Spaß gemacht!

Die beteiligen Personen (v.l.n.r):
Bella, Tedy, Laabernix, Beule, Mischa
Bilder: Laabernix und Mischa.
Text: Alle Beteiligten, endgültig in güldene Formen gegossen und mit roher Gewalt angepaßt von Laabernix.
Und wer jetzt wirklich noch mehr wissen will...
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